Handballclub Oppenweiler Backnang
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Eine groĂźe Gier auf Erfolge entwickelt
| 29.04.2020      | Erste Mannschaft      | Alexander Hornauer 
Die Handballer des HC Oppenweiler/Backnang haben die Drittligasaison 2019/2020 auf Rang sechs beendet. Auch wenn nur fünf Sechstel der Spiele absolviert wurden, so lässt sich doch feststellen: Es ist die beste Platzierung seit dem Aufstieg vor fünf Jahren. Besonders erfreulich war für Trainer Matthias Heineke, dass sich seine Mannschaft nicht auf guten spielerischen Leistungen ausruhte. Mit zunehmendem Saisonverlauf entwickelte sie auch eine große Gier auf Erfolge.
Stand in dieser Saison gut: Die HCOB-Abwehr, hier mit Jakub Strýc und Nikola Vlahovic. (Foto: A. Becher)

Die Murrtaler starteten selbstbewusst. Der Grund: „Schon in der Vorbereitung auf die Saison hat jeder gemerkt, dass wir uns in dieser mannschaftlichen Konstellation wohl fühlen“ (Matthias Heineke). Der Auftakt gelang, der HCOB überzeugte spielerisch und gewann seine Heimspiele. Und weil die Murrtaler zu Beginn der Runde oft vor heimischer Kulisse antraten, wuchs das Punktekonto schnell an. Auswärts ließ der erste Erfolg auf sich warten. Es ging in dieser Phase zu heimstarken Teams, die in der Tabelle vorne standen. Der HCOB war oft bei der Musik, in den entscheidenden Momenten fehlte der Killerinstinkt. Vor allem die Pleiten bei den Rhein-Neckar Löwen II und beim TSB Horkheim Mitte November „haben uns sehr geärgert, weil wir da einfach nicht hätten verlieren müssen“, erinnert sich Matthias Heineke.

Offensichtlich lösten diese Negativerlebnisse in seinem Team aber eine Trotzreaktion aus. Matthias Heineke berichtet, dass sein Team im Training eine Schippe drauflegte, „sie haben mit sehr viel Willen trainiert.“ Das machte sich im Wettkampf bemerkbar. „Wir haben uns nicht mehr mit Dingen befasst, die uns vom Weg abgebracht haben. Stattdessen kam zu unseren guten spielerischen Leistungen nun eine große Gier auf Erfolge hinzu.“ Beim TV 08 Willstätt und beim TSV Blaustein gelangen die ersten Siege in fremden Hallen. Fortan lief es: Im begeisternden letzten Match vor Weihnachten besiegte der HCOB das Team von HBW Balingen-Weilstetten II. Und gleich nach der kurzen Pause folgte der prestigeträchtige Derbysieg beim SV Salamander Kornwestheim. Der HCOB nistete sich nun im vorderen Mittelfeld ein und stabilisierte sich auf Rang sechs, in der (unvollständigen) Rückrundentabelle ist das Team sogar Dritter. Nach 25 Spielen standen 29:21 Punkte zu Buche, der erstmalige Sprung über die 30-Punkte-Marke schien Formsache. Dann kam Corona dazwischen. Die Spiele wurden erst ausgesetzt, dann abgesetzt, ein Quotient von 116,0 steht nun abschließend für die Saisonleistung der HCOB-Handballer.

Ein Garant für das gute Abschneiden war die Defensivleistung. „Wir haben im Abwehrzentrum sowie im Zusammenspiel mit den Torhütern die wohl signifikanteste Verbesserung im Vergleich zur Vorsaison geschafft“, sagt Coach Matthias Heineke. Die Keeper Stefan Koppmeier und Felix Beutel lieferten sich einen Wettstreit auf gutem Niveau. Die Rückkehr von Jakub Strýc, der die Vorsaison aufgrund einer Knieverletzung versäumt hatte, machte sich bemerkbar. Der aus Berlin gekommene Tim Düren erwies sich als die erhoffte Verstärkung für die Abwehr. Und der mit einem Zweifachspielrecht ausgestatte Nachwuchsmann Nikola Vlahovic war regelmäßig in Training und Spiel dabei, auch das wirkte sich positiv aus.

Im Angriff spielten die Murrtaler auf einem guten und stabilen Level. Trainer Matthias Heineke findet, „dass wir noch flexibler geworden sind“ – und macht das am Beispiel der rechten Halbposition im Rückraum deutlich. „Da hat Ruben Sigle für die Tore aus dem Rückraum gesorgt und Felix Raff den gegnerischen Abwehrreihen mit guten 1-gegen-1-Aktionen zugesetzt“, sagt Matthias Heineke und freut sich, dass es auf vielen anderen Positionen ganz ähnlich war. So war sein Team nur schwer auszurechnen. Im Schnitt kamen die Murrtaler auf über 30 Tore, das schafften sonst nur die Topteams TuS Fürstenfeldbruck und VfL Pfullingen sowie der Vorletzte TV Plochingen, der allerdings in der Abwehr Probleme hatte.

Ein weiterer positiver Aspekt der abgelaufenen Runde war für den HC Oppenweiler/Backnang die wiedergewonnene Heimstärke. Im Vorjahr gab es in 15 Heimspielen nur vier Siege. Nun lief es grundlegend anders: Die Murrtaler gewannen zehn von zwölf Heimspielen, und nur eines war knapp. Das Derby gegen den TSB Horkheim wurde erst durch einen von Marcel Lenz mit der Schlusssirene verwandelten Siebenmeter entschieden. Im Umkehrschluss war gerade dies ein emotionales Highlight. Die vier Minuspunkte resultierten aus den Duellen gegen Fürstenfeldbruck und Pfullingen. Kein anderer Drittligist gab vor heimischem Publikum weniger Punkte ab als der HCOB. Rund 600 Besucher kamen im Durchschnitt zu den Heimspielen in die Gemeindehalle in Oppenweiler sowie in die Karl-Euerle-Halle in Backnang. Krösus ist die HG Saarlouis (1032), der ligaweite Schnitt liegt bei rund 500 Fans pro Partie.

Bleibt die rhetorische Frage: Wo wäre der HCOB gelandet, wenn die Runde regulär beendet worden wäre? Matthias Heineke sagt: „Wir waren gut in Form, wir hatten ein vielversprechendes Restprogramm mit drei Heimspielen und zwei Auswärtspartien gegen Teams aus dem hinteren Bereich. Darum bin ich mir sicher, dass wir so gepunktet hätten, dass wir Rang sechs zu verteidigen.“ Unterm Strich passe die Abschlussplatzierung. „Die Mannschaften, die vor uns platziert sind, stehen zurecht da“, sagt Matthias Heineke, „und die Teams hinter uns haben wir aufgrund unserer Leistungen auch zurecht hinter uns gelassen.“

Auf- und Absteiger: Der TuS Fürstenfeldbruck ist Meister der Dritten Liga und steigt in die zweite Bundesliga auf. Die Handball-Bundesliga nimmt in diesem Jahr die Meister aller vier Drittligastaffeln auf, weil an Relegationsspiele derzeit nicht zu denken ist. Begleitet wird das Team aus dem Oberbayrischen somit vom TV Großwallstadt, vom Dessau-Roßlauer HV und vom Wilhelmshavener HV. Absteiger gibt es in diesem Jahr keine. Der TSV Blaustein, der schon als Absteiger festgestanden wäre, wenn die Runde zu Ende gespielt worden wäre, darf sich auf ein weiteres Jahr in der Dritten Liga freuen. Auf den weiteren Abstiegsplätzen wären der TV 08 Willstätt und der TV Plochingen gestanden, sie hätten aber durchaus noch eine sportliche Perspektive auf den Ligaverbleib gehabt. Aus den vierten Ligen kommen – als Kandidaten für die künftige Südstaffel – der SV 64 Zweibrücken, die HSG Konstanz II, die SG Pforzheim/Eutingen und der VfL Günzburg hoch.

Die HCOB-Einsatzstatistik der Feldspieler (sortiert nach Torerfolgen): Marcel Lenz (25 Spiele, 171 Tore), Kevin Wolf (25, 84), Ruben Sigle (23, 83), Jakub Strýc (25, 73), Nikola Vlahovic (19, 63), Evgeni Prasolov (19, 60), Felix Raff (16, 48), Lukas Köder (23, 47), Philipp Maurer (22, 30), Philipp Schöbinger (25, 29), Tim Düren (23, 24), Tom Kuhnle (15, 17), Timm Buck (18, 15, Johannes Csauth (6, 5). – Siebenmeterbilanz: Marcel Lenz (81 Tore/107 Würfe, 76 Prozent), Lukas Köder (3/5, 60 %), Timm Buck (7/8, 88 %).

Torhüterbilanz: Felix Beutel (24 Spiele, 1 Tor, 972 Einsatzminuten), Stefan Koppmeier (20, 2, 528), Stefan Merzbacher (1, 0, 0), Marcel Wolf (1, 0, 0). – Siebenmeterbilanz: Felix Beutel (16 Paraden/55 Versuche, 29 Prozent), Stefan Koppmeier (10/38, 25 %), Stefan Merzbacher (0/1), Marcel Wolf (0/1).


           
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