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Eine Krake fürs HCOB-Tor
| 26.08.2020      | Erste Mannschaft      | Alexander Hornauer 
In Schweden nannten sie in „Bläckfisken“, beim HC Oppenweiler/Backnang freuen sie sich auf die Krake. Mit Jürgen Müller weiß der Handball-Drittligist einen hervorragenden neuen Torwart in seinen Reihen. Der 33-Jährige hat bei interessanten und namhaften Vereinen gespielt, fühlt sich im Rems-Murr-Kreis aber längst heimisch. Und er freut sich, beim HCOB weiter auf hohem sportlichen Niveau spielen zu können. Zugleich möchte er ins Berufsleben einsteigen.
Neu beim HCOB: Torwart Jürgen Müller. (Foto: A. Hornauer)

Jürgen Müller sammelte seine ersten Handball-Erfahrungen beim TV Sulgen. Der Club aus dem Schwarzwald leistete gute Jugendarbeit, spielte in den höchsten Ligen des südbadischen Verbandes. Der Keeper machte früh auf sein Können aufmerksam. Er wurde für die Auswahlmannschaften nominiert. Das Spiel zwischen den Pfosten schien ihm in die Wiege gelegt. Seine Mutter hatte auf dieser Position für den 1. FC Nürnberg in der Bundesliga gespielt. „Und dabei hätte mein Vater lieber gesehen, wenn ich zum Fußball gegangen wäre“, erinnert sich Jürgen Müller. Er habe sich aber bald „gut mit dem Handball arrangiert.“ Seine Eltern sind auch jetzt oft dabei, wenn der Sohn spielt.

Zur A-Jugend wagte der talentierte Keeper den Sprung zur JSG Balingen-Weilstetten. „Da habe ich meine ersten Erfahrungen auf professionellem Level gesammelt.“ Er wurde für die Jugend-Nationalmannschaft nominiert, gewann die Europameisterschaft. Mit den DHB-Junioren wurde er Vize-Weltmeister. Im Verein gelang ihm der Sprung ins HBW-Bundesligateam. Er bildete ein Duo mit dem tschechischen Nationalspieler Milos Slaby. „Er hat mir als jungem Spieler sehr viel beigebracht.“ Gemeinsam bejubelten sie 2006 den erstmaligen Aufstieg des HBW in die Handball-Bundesliga und kassierten die wenigsten Gegentoren der Liga.

Ein Jahr später wechselte Jürgen Müller zum HSV Hamburg. Zum Leben sei es in der Hansestadt wunderschön gewesen. Sportlich aber war der frischgebackene Weltmeister Johannes Bitter die unumstrittene Nummer eins – weshalb sich Jürgen Müller zu einem weiteren Wechsel entschied. Beim SC Magdeburg hatte der Keeper mit Silvio Heinevetter auch einen prominenten Mitstreiter, trotzdem kam er zu seinen Spielzeiten. Auch sonst „war es der richtige Schritt. Wie der Handball in Magdeburg gelebt wird, das ist einzigartig.“

Dass er sich nach zwei Jahren dennoch zum Schritt ins Ausland entschied, hing mit dem Reiz zusammen, „etwas Neues zu lernen.“ Eine neue Sprache, eine neue Kultur, auch ein neues Torwartspiel, das skandinavische. Denn Jürgen Müller spielte für den schwedischen Erstligisten Ystad IF. Sportlich sprang die Vizemeisterschaft heraus – und auch sonst fühlte sich der Sportler gut integriert. „Sie haben sogar für meinen Spitznamen einen schwedischen Begriff gefunden: Bläckfisken.“ Auf deutsch: Krake. Seit Jugendzeiten wird Jürgen Müller so genannt.

Dann zog es Jürgen Müller in den Rems-Murr-Kreis. Eine Region, von der er sagt: „Das ist für mich mittlerweile Heimat.“ Mit dem TV Bittenfeld stieg er zum zweiten Mal in die Bundesliga auf, mit der SG BBM Bietigheim 2018 sogar ein drittes Mal. Und der 33-jährige Handballer ist überzeugt: „Wir wären auch in der vergangenen Saison wieder aufgestiegen.“ Corona kam dazwischen. Allerdings ist das nicht die tragischste Erinnerung an die drei Jahre in Bietigheim. „Richtig schlimm war das Remis im letzten Bundesligaspieltag der Saison 2018/2019 gegen Gummersbach. Die ganze Zeit hat es so ausgehen, als könnten wir gewinnen und den Klassenverbleib schaffen“, erinnert sich Jürgen Müller. Doch der letzte Wurf ging vorbei. Nur Remis. „Dieses Nichts nach dem Spiel, diese Stille, schlimm.“

Doch es gibt auch viele schöne Erinnerungen. „Als ich für die A-Nationalmannschaft berufen wurde und in Konstanz gegen die Schweiz spielen durfte. Bei der Nationalhymne hatte ich absolute Gänsehaut.“ Die Aufstiege seien, jeder für sich, schön gewesen. Mindestens so wichtig sind Jürgen Müller aber auch „viele Freundschaften, die sich über den Handball ergeben haben, nun aber weit über den Handball hinausgehen.“

Mit dem Wechsel zum HC Oppenweiler/Backnang betritt Jürgen Müller Neuland. Er spielt zum ersten Mal in der Dritten Liga. Der Handball ist ihm weiter sehr wichtig, aber auch der Einstieg ins Berufsleben soll nun gelingen. Beim HCOB fühlt er sich gut aufgenommen. Er bewertet die Trainingseinheiten positiv, und zu seinen Mitspielern hat der offene und unkomplizierte Mensch Jürgen Müller schnell einen guten Draht gefunden. Nach der langen Corona-Pause sei es noch schwer, Prognosen zu wagen und Ziele zu setzen. „Aber der erste Eindruck ist positiv. Ich sehe das Potenzial für ein gutes Abschneiden“, sagt Jürgen Müller. Für ihn geht es vorrangig darum, „die Abwehr kennenzulernen, wie funktioniert das Zusammenspiel.“

Tests wie gegen Pforzheim und seinen Ex-Club Bietigheim kommen da gerade recht. Jürgen Müller freut sich darauf, „weil wir endlich wieder Handball spielen können.“ Dass es zunächst nur vor einigen wenigen Zuschauern zur Sache geht, schade. Aber der Keeper hofft, dass bald wieder mehr kommen dürfen. „Ich habe nämlich schon sehr viel über die Stimmung in der Halle gehört, und das möchte ich nun auch erleben.“

Informationen zu den Vorbereitungsspielen: Der HCOB testet zweimal in weniger als 48 Stunden. Am Donnerstag (20.30 Uhr, Gemeindehalle Oppenweiler) geht es gegen den Drittliga-Rivalen TGS Pforzheim. Es können einige wenige Zuschauer dabei sein, die Tickets sind allerdings vergriffen. Spontanes Erscheinen macht also keinen Sinn. Für die Partie gegen den Zweitligisten SG BBM Bietigheim am Samstag (16 Uhr) kann man sich bis Mittwochabend um 18 Uhr auf www.hcob.de als Zuschauer registrieren. Wer bei der Verlosung ein Ticket erhält, wird per E-Mail informiert.


           
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