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Der Bann ist gebrochen: HCOB schlägt die Eulen

| Männer 1

33 Spiele musste der HC Oppenweiler/Backnang auf diesen Moment warten. Im letzten Heimspiel der Zweitliga-Saison feierte das Schlusslicht mit dem 33:29 gegen die Eulen Ludwigshafen seinen ersten Sieg – und die MURRTAL-ARENA verwandelte sich in ein Tollhaus.

Coach Rui Silva war ergriffen. „Es war für uns nicht einfach ein Sieg, es waren nicht einfach zwei Punkte. Das Schöne ist, alle glücklich zu sehen“, sagte er und blickte auf die Tribüne, wo die Anhänger ihr Team mit großem Applaus feierten.

Der Coach verriet später: „Ich habe schon lange für möglich gehalten, dass wir gegen dieses Team eine Chance haben. Mit den vielen Ausfällen wurde es jedoch zunehmend schwieriger, daran zu glauben.“ Der HCOB spielt die ganze Rückrunde dezimiert, in den vergangenen Wochen fielen weitere Spieler aus. Gegen die Eulen gab es jedoch eine überraschende Rückkehr: Malte Dederding stand im Aufgebot.

Der Rückraumspieler hatte sich vor drei Wochen im Derby gegen Bietigheim verletzt und drohte, die Saison vorzeitig beenden zu müssen. „Ich habe aber früh im Reha-Prozess angefangen, Sprünge zu machen, und dann gespürt, dass ich diese Saison vielleicht noch einmal Handball spielen kann.“ Sein Antrieb: „Ich wollte mich gebührend von den Fans verabschieden und hier noch einmal Gas geben – am besten mit zwei Punkten.“ Ein Test am Donnerstag verlief verheißungsvoll und tags darauf fiel die endgültige, positive Entscheidung.

Der 24-Jährige, der in der kommenden Runde für den TuS N-Lübbecke spielen wird, kämpfte sich eindrucksvoll zurück – und wurde in der Schlussphase zum Matchwinner. Ihm gelangen vier Tore in Serie: der Ausgleich zum 29:29, die erste Führung und kurz darauf der vorentscheidende Drei-Tore-Vorsprung. Damit hatte Malte Dederding ganz maßgeblichen Anteil am Coup gegen die Eulen. Seine Tore sorgten für helle Begeisterung und spürbare Erleichterung.

Tabellarisch kommt das Erfolgserlebnis zu spät. Der Aufsteiger wird die Runde als Schlusslicht beenden. Unter psychologischen Gesichtspunkten war der Sieg jedoch Gold wert. Trainer Rui Silva hatte auch die Fans und die Ehrenamtlichen im Verein im Blick: „Für mich ist es unheimlich schön, die Unterstützung über die gesamte Saison heute zurückzahlen zu können.” Sportlich sei es zudem ein kleiner Fingerzeig in die Zukunft, da auf der Anzeigetafel endlich deutlich wurde, dass das HCOB-Team trotz der Tabellensituation konsequent an seiner Weiterentwicklung gearbeitet hat.

„Heute hatten wir in den Schlussminuten dann auch das Momentum auf unserer Seite“, freute sich Malte Dederding und verwies dabei unter anderem auf die überzeugende Abwehrarbeit. Die Gastgeber räumten defensiv zum Ende hin alles ab. Torwart Janis Boieck trumpfte im Spiel gegen seinen künftigen Club groß auf und ließ in den letzten zehn Minuten nur noch ein Gegentor zu. „Das Zusammenspiel zwischen Abwehr und Torhüter war super“, fand Dederding. „Wir haben es sehr gut geschafft, sie zu Würfen zu bringen, die sie nicht wollten.“

In dieser Hinsicht war die Lernkurve der HCOB-Handballer im Verlauf der 60 Minuten bemerkenswert. Denn zu Beginn kamen die Gäste noch zu einfach zu ihren Toren. Der HCOB bekam den spielerisch starken Mittelmann Marc-Robin Eisel nicht in den Griff und unterband das Zusammenspiel mit Kreisläufer Leon Hein zu selten wirkungsvoll.

In Durchgang eins lagen die Gastgeber mehrmals mit vier Toren hinten. Dann kämpften sie sich heran. Rückraumspieler Niklas Diebel hatte in seinem letzten Heimspiel im Dress des HCOB gute Szenen. Beim Stand von 15:15 waren die Hausherren gleichauf, doch kurz vor der Pause kassierten sie ein Gegentor, das symptomatisch für den bisherigen Saisonverlauf war: Janis Boieck bugsierte einen Abpraller nach einem Lattenknaller mit dem Rücken ins eigene Netz.

Doch Einsatz und Moral stimmten und so gaben die Hausherren nicht auf, auch nicht, als sie im zweiten Durchgang erneut mit vier Toren zurücklagen. Nick Fröhlich ging in dieser Phase mit wilder Entschlossenheit voran. Der halblinke Rückraumspieler war mit neun Toren am Ende bester Werfer der Partie und neun Minuten vor dem Ende auch derjenige, der seinem Team mit dem Ausgleichstreffer zum 28:28 neuen Mut machte.

Die Eulen hingegen verloren zunehmend den Faden. Sie kamen im Angriff nicht mehr durch. Hinten waren sie anfällig für Rückraumtore – und dafür sorgte nun Malte Dederding. Mit seinem Viererpack erreichte die Stimmung in der MURRTAL-ARENA den Siedepunkt. Beim Stand von 32:29 sei er sich des Sieges sicher gewesen, verriet Rui Silva später und betonte: „Wir können auf das Spiel heute stolz sein.“

Und Malte Dederding, der unverhofft aufgetauchte Joker, strahlte mit denjenigen um die Wette, die sich mit ihm für ein Selfie aufstellten. Es war ein Heimabschied, wie er ihn sich vorgestellt hatte. Auch wenn er mit seinem Team lange auf den ersten Sieg warten musste, bewertet er die Zeit beim HCOB positiv: „Es gibt hier super Menschen, der Verein ist überragend.“ Besonders lobende Worte fand er für Coach Rui Silva und Co-Trainer Frederick Griesbach: „Gerade von ihnen konnte ich sehr viel lernen.“ Und an diesem Sonntag erfuhr er endlich auch wieder, wie sich Gewinnen anfühlt.

Stimmen zum Spiel

HCOB-Trainer Rui Silva: „Ich habe schon lange für möglich gehalten, dass wir gegen dieses Team eine Chance haben. Mit den vielen Ausfällen wurde es zunehmend schwieriger, daran zu glauben. Aber wir haben immer besser in das Spiel gefunden und kämpferisch dagegengehalten. Als wir mit drei Toren geführt haben, war mir klar, dass wir es heute schaffen werden. Wir können auf das Spiel heute stolz sein. Die Saison ist für uns hart und herausfordernd. Aber wir sind alle gewachsen, und das wird uns in der Zukunft helfen. Für mich ist es unheimlich schön, die Unterstützung über die gesamte Saison heute zurückzahlen zu können. Es war für uns nicht einfach ein Sieg, es waren nicht einfach zwei Punkte. Das Schöne ist, alle glücklich zu sehen.“

Rund ums Spiel

Der zweite Absteiger steht fest: Neben dem HCOB muss auch die HSG Krefeld Niederrhein in der kommenden Saison wieder in der Dritten Liga antreten. Beim Traditionsclub TuSEM Essen sorgt dies für Erleichterung, denn der Klassenverbleib ist damit gesichert.

An der Tabellenspitze stehen die beiden Aufsteiger bereits seit Längerem fest: Die SG BBM Bietigheim und HBW Balingen-Weilstetten kehren zur kommenden Saison in die Bundesliga zurück. Im direkten Duell am Samstag wird nun noch die Meisterschaft entschieden.

Bei den Eulen Ludwigshafen ist eine richtungsweisende Personalentscheidung gefallen: Der ursprünglich bis zum Ende der kommenden Saison laufende Vertrag mit Trainer Michael Haaß wurde vorzeitig bis 2029 verlängert. Der frühere Weltmeister steht seit Herbst vergangenen Jahres beim Zweitligisten aus Rheinland-Pfalz an der Seitenlinie und führte die Mannschaft zum Klassenverbleib.

Am kommenden Wochenende steht der letzte Spieltag der zweiten Handball-Bundesliga an. Der HCOB gastiert am Samstag (18 Uhr) beim TuS N-Lübbecke.

HC Oppenweiler/Backnang – Eulen Ludwigshafen 33:29

31. Mai 2026
17 Uhr
MURRTAL-ARENA Backnang

HC Oppenweiler/Backnang:
Dave Hörnig (n.e.), Janis Boieck (Tor), Tjörvi Týr Gislason (1), Frieder Hail (n.e.), Timm Buck (3), Nick Fröhlich (9), Niklas Diebel (3), Martin Schmiedt (4), Ruben Sousa (1), Felix Klingler (4/3), Paul Krügele, Lukas Rauh (1), Malte Dederding (7). – Trainer: Rui Silva.

Eulen Ludwigshafen:
Mats Gruppe, Philipp Wenning, Žiga Urbič (Tor), Frederic Stüber (1), Matteo Menges (1), Tim Schaller (6/2), Marc-Robin Eisel (3), Vincent Bülow, René Zobel (4), Leon Hein (8), Tilo Müller, Alexander Falk (1), Kian Schwarzer, Theo Straub (1), Friedrich Schmitt (4), Lennart De Hooge. – Trainer: Michael Haaß.

Schiedsrichter:
Fabian Foerster (Bergneustadt) und Felix Mayer (Pfullingen).

Zuschauer:
800.

Siebenmeter:
3/3 : 2/3 (Schaller scheitert an Boieck).

Zeitstrafen:
2:4 Minuten (Rauh – Falk, Schmitt).

Spielverlauf:
4:8, 8:12, 15:16 – 19:23, 26:28, 33:29.

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