Der Verlust von tragenden Säulen der Aufstiegsmannschaft erwies sich als Hypothek. Insbesondere der zu Frisch Auf Göppingen gewechselte Mittelmann Elias Newel war schwer zu ersetzen. Ein Jahr später wurde er dort als bester Nachwuchsspieler der ersten Bundesliga ausgezeichnet. Große Hoffnungen ruhten auf Rückraumspieler Dominik Weiß. Der langjährige Erstligaspieler verpasste jedoch krankheitsbedingt die Vorbereitung und den Saisonstart, wodurch er seine Erfahrung nur eingeschränkt einbringen konnte.
Nach dem frühen Remis gegen den HSC 2000 Coburg blieben – abgesehen von einem Punkt gegen Mitaufsteiger HSG Krefeld Niederrhein – weitere Erfolgserlebnisse aus. Der HCOB hatte große Probleme im Umschaltspiel. Technische Fehler mündeten regelmäßig in Gegentore durch Konter. Der Fehlstart wurde Aufstiegstrainer Stephan Just zum Verhängnis: Seine Amtszeit beim Club aus dem Rems-Murr-Kreis endete nach sieben Spielen.
Unter dem Interimstrainerduo Volker Blumenschein und Tobias Klisch holte die Mannschaft einige konditionelle Rückstände auf. Beim unglücklich verlorenen Derby gegen den späteren Aufsteiger SG BBM Bietigheim war sie nah dran, schaffte den Turnaround aber nicht. Die Heimniederlage am zweiten Weihnachtsfeiertag gegen den TuS N-Lübbecke, bei der eine Sechs-Tore-Führung verspielt wurde, sorgte für Frust.
Der HCOB erzielte von allen Vereinen der Liga die meisten Tore aus dem Rückraum. Timm Buck etablierte sich unter den Top Ten der Torschützen, Malte Dederding traf regelmäßig aus der zweiten Reihe, auch Nick Fröhlich schaffte deutlich über 100 Saisontore. In den übrigen statistischen Kategorien blieb das Team jedoch zurück. Vor allem die Trefferquote erwies sich über die ganze Runde hinweg als Manko: Mit 56 Prozent war sie die niedrigste aller Teams der zweiten Bundesliga.
Zum Jahresbeginn übernahm der zuletzt bei AEK Athen tätige Portugiese Rui Silva das Traineramt. Seine Arbeit zeigte Wirkung: Die Mannschaft verbesserte sich spielerisch und agierte flexibler.
Allerdings schlug ab Mitte Februar das Verletzungspech zu. So fiel Mannschaftskapitän Jan Forstbauer langfristig aus. Auch der im Winter vom TuS Ferndorf verpflichtete Kreisläufer Lukas Süsser schied nach nur wenigen Einsätzen mit einer langwierigen Verletzung aus. Weitere Ausfälle ließen den Kader schrumpfen. So fehlte es fortan in vielen Begegnungen an Wechselmöglichkeiten. Die Mannschaft hielt phasenweise gut mit, verlor in den Schlussphasen aber den Anschluss.
Nachdem die richtungsweisenden Spiele gegen Essen, Ferndorf und Krefeld verloren worden waren, war der Rückstand auf die Nichtabstiegsplätze zu groß. Rui Silva nutzte die Zeit, um die Spieler weiterzuentwickeln, und wurde am vorletzten Spieltag mit dem ersten Saisonsieg gegen die Eulen Ludwigshafen belohnt. Dieser brachte tabellarisch nichts mehr ein, war aber emotional wichtig.
In der kommenden Runde will der HCOB in der Dritten Liga wieder ambitioniert ins Rennen gehen. Das Team steht und soll sich unter Anleitung von Coach Rui Silva jünger und dynamischer präsentieren.
Daten und Fakten
Die Meisterschaft sicherte sich der HBW Balingen-Weilstetten, der am letzten Spieltag die entscheidende Partie gegen die lange Zeit führende SG BBM Bietigheim gewann. Dieser wiederum kann sich ein Jahr nach dem Abstieg aus der ersten Liga ebenfalls über die Rückkehr in die Eliteliga freuen.
Absteigen musste neben dem HC Oppenweiler/Backnang auch die HSG Krefeld Niederrhein. Damit haben es in dieser Saison beide Aufsteiger nicht geschafft, eine etablierte Kraft aus der zweiten Liga zu verdrängen und den Ligaverbleib zu schaffen. In der kommenden Runde dürfen sich der ASV Hamm-Westfalen und der TV Emsdetten versuchen. Diese beiden Teams aus der Dritten Liga haben den Aufstieg geschafft. Die Vereine aus der Süd-Staffel – Staffelsieger SV Salamander Kornwestheim und Vize TSB Horkheim – haben auf die Teilnahme an den Aufstiegsspielen verzichtet.
Beim HCOB war Timm Buck als einziger Spieler in allen 34 Begegnungen im Einsatz. Felix Klingler und Janis Boieck absolvierten 33 Spiele, Lukas Rauh wurde in 32 Duellen eingesetzt. Insgesamt brachte der HCOB in der Zweitligasaison 22 Akteure zum Einsatz. Mit Torwart Moritz Bochum und den Rückraumspielern Linus Schnürer und Frieder Hail kamen im Laufe der Saison drei Eigengewächse zu ersten Einsätzen in der ersten Mannschaft.
Mit 171 Toren war Timm Buck auch der erfolgreichste Torwerfer seiner Mannschaft. Damit erreichte er in der Liga den achten Platz. Torschützenkönig wurde Sascha Pfattheicher von HBW Balingen-Weilstetten (243 Tore). Malte Dederding schaffte es mit exakt 150 Treffern auf den 18. Platz der Liga. Er war, da er erst nach Saisonstart von den Wolfen Würzburg zum HCOB gekommen war, der Spieler mit dem höchsten Toreschnitt seines Teams (5,4 Tore pro Begegnung) und erreichte mit 75 Punkten auch den höchsten Handball Performance Index aller HCOB-Spieler.
Über mangelnde Beschäftigung konnten sich die HCOB-Torhüter nicht beklagen. Janis Boieck nutzte das, um sich auszuzeichnen, mit 262 Paraden belegt er den sechsten Platz unter den Torhütern. Den ersten Rang in dieser Statistik teilen sich Petros Boukovinas vom HSC 2000 Coburg und Pascal Bochmann vom VfL Eintracht Hagen.
Im Durchschnitt kamen 1044 Besucher zu den 17 Heimspielen des HCOB in die MURRTAL-ARENA. Die meisten Zuseher kamen zum Zweitligaderby gegen die SG BBM Bietigheim sowie zum Weihnachtsspiel gegen den TuS N-Lübbecke (1400) sowie gegen den HBW (1300). Zum Vergleich: in der Drittligasaison 2024/2025 waren es rund 800 Besucher im Schnitt. Bei den Auswärtsspielen des Aufsteigers sahen im Durchschnitt 1614 Besucher zu.
