Das HCOB-Zweitligateam war zuletzt von Tobias Klisch und Volker Blumenschein betreut worden – eine interimistische Lösung bis zur Europameisterschaftspause im Januar, um Zeit für die Neubesetzung dieser strategisch wichtigen Position zu gewinnen.
„Wir hatten mehrere Kandidaten in der engeren Auswahl und waren von Anfang an offen für Trainer aus ganz Europa“, sagt Jonas Frank, Geschäftsführer des HCOB. Rui Silva rückte im Lauf der Gespräche verstärkt in den Fokus. Der Portugiese war zuletzt bei AEK Athen unter Vertrag, hatte den Club an die Tabellenspitze der ersten Liga und in die Pokal-Endrunde geführt. Angesichts der Möglichkeit zum Wechsel in die zweite Bundesliga bekam er die Freigabe des griechischen Hauptstadtclubs.
Beim HCOB freut man sich auf die Zusammenarbeit mit dem 42-Jährigen. „Er hat in den Gesprächen einen sehr motivierten und reflektierten Eindruck gemacht“, berichtet Volker Blumenschein, der gemeinsam mit Jonas Frank die Verpflichtung vorbereitete. Der sprachbegabte Portugiese bringt Erfahrung aus mehreren Ländern mit, hat Teams in internationalen Wettbewerben gecoacht und die EHF-Master-Coach-Lizenz erworben – die höchste Trainerausbildung im Handball.
„Nach der enttäuschenden Hinrunde brauchen wir einen Neuanfang mit voller Hingabe und frischen Impulsen, nicht nur kleine Anpassungen“, ergänzt HCOB-Geschäftsführer Jonas Frank. „Dafür ist Rui Silva der richtige Mann.“ Er soll seine internationale Erfahrung einbringen, um den HCOB voranzubringen. Möglich wurde die Verpflichtung durch das großzügige Engagement des HCOB-Hauptsponsors Murrelektronik.
Für Rui Silva ist der Wechsel in die zweite Bundesliga ein wichtiger Schritt in seiner Karriere: „Ich wollte schon immer in Deutschland arbeiten.“ Die Liga habe er bereits in der Vergangenheit regelmäßig verfolgt: „Die zweite Bundesliga gehört meiner Meinung nach zu den drei oder vier stärksten Ligen der Welt. Sie ist sehr wettbewerbsintensiv, gut organisiert, hat eine tolle Atmosphäre und viele Zuschauer.“
In den vergangenen Wochen habe er sich ein Bild vom Verein machen können: „Die Gespräche waren ehrlich, realistisch und ambitioniert. So ein Umfeld schätze ich.“ Über seinen Arbeitsstil sagt Rui Silva: „Ich bin ein anspruchsvoller und detailorientierter Trainer. Disziplin, Beständigkeit und klare Strukturen sind mir wichtig. Ich erwarte viel von meinen Spielern – aber vor allem von mir selbst.“
Auch sein bevorzugter Spielstil ist klar definiert: „Ich mag aggressive, kompakte Verteidigung und ein schnelles, intensives Spiel mit Rhythmus. Offensiv setze ich auf ein flexibles Kollektiv mit klaren Strukturen, das sich anpassen kann, um das Beste aus jedem Spieler herauszuholen.“ Im Kollektiv soll das dann dazu führen, dass der HCOB in der Rückrunde verstärkt punktet, den Abstand auf die Nichtabstiegsränge reduziert und am Ende der Saison zwei andere Teams hinter sich lässt.
In den ersten Trainingseinheiten will Rui Silva die Mannschaft genau kennenlernen. Sein Ziel ist eindeutig: „Wir werden hart arbeiten, um gut vorbereitet und stark für unser erstes Heimspiel nach der Rückrunde zu sein.“ Das findet am 7. Februar in der Backnanger MURRTAL-ARENA gegen den TV 05/07 Hüttenberg statt. Ein erstes Vorbereitungsspiel ist für den 23. Januar terminiert, in Aldingen (bei Rottweil) misst sich der HCOB mit dem HBW.
Auch bei der Suche nach einem Co-Trainer für Rui Silva befindet sich der Zweitligist auf der Zielgeraden. In den kommenden Tagen soll ein profilierter Name vorgestellt werden.
Die sportliche Vita von Rui Silva
Rui Silva spielte als Rückraumspieler und Linksaußen für den FC Porto, den Ginásio Clube de Santo Tirso und den SC Espinho. Bereits mit 18 Jahren trainierte er Handballteams. Drei Jahre später beendete er seine Laufbahn als aktiver Spieler und widmete sich fortan vollends seiner Tätigkeit als Coach. Mit 30 Jahren erreichte er die höchste portugiesische Liga, die „Andebol 1“. Als Co-Trainer gewann er 2015 mit dem FC Porto die Landesmeisterschaft und den Supercup. Anschließend übernahm er das Amt des Cheftrainers beim Erstligisten ADA Maia Ismai. Beim portugiesischen Topverein Sporting Lissabon war er zunächst Co-Trainer und anschließend Trainer. Danach stand er beim französischen Zweitligisten Nancy Handball unter Vertrag. Nach einem erneuten Engagement beim FC Porto wechselte er im Sommer des vergangenen Jahres zum griechischen Erstligisten AEK Athen. Internationale Erfahrung in der Champions League sammelte er mit dem FC Porto und Sporting; mit letzterem Club spielte er zudem in der EHF European League. Rui Silva hat ein Sportstudium mit dem Schwerpunkt Handball an der Universität in Porto absolviert. Privat ist der 42-Jährige verheiratet und Vater zweier Söhne.
