Bei allen Zweitligaspielen sitzen Datenscouts der Handball-Bundesliga (HBL) auf der Tribüne. Jede gelungene Aktion wird ebenso erfasst wie jeder Fehler. Am Samstagabend war der häufigste Zuruf der Scouter: „Save Nummer 1“. Diese Nummer gehört Dave Hörnig, und der 21-jährige Torhüter lief gegen den Tabellensechsten aus Nordhorn zur Bestform auf. 20 Paraden standen am Ende in der Datenbank – ein außergewöhnlicher Wert, ebenso wie die Paradenquote von 41 Prozent. „Für mich war es heute das beste Spiel von Dave in dieser Saison“, sagte Dragan Jerkovic, Torwarttrainer beim HC Oppenweiler/Backnang.
Seit einigen Wochen sammelt der Torhüter, der im vergangenen Sommer von den Rhein-Neckar Löwen II zum damaligen Aufsteiger wechselte, verstärkt Spielzeiten. „Und er hat heute die Chance genutzt“, fand Dragan Jerkovic. Überraschend kam das für ihn nicht, betonte der international erfahrene Ex-Keeper, im Gegenteil: „Ich habe erwartet, dass so eine Leistung von Dave kommt.“ Der so Gelobte betont, es sei wichtig gewesen, „gleich den zweiten und den dritten Ball gehalten zu haben. So kommt man gut ins Spiel und in einen Flow.“
Als der HCOB Mitte der ersten Halbzeit mit vier Toren ins Hintertreffen geriet, trug Dave Hörnig maßgeblich dazu bei, dass sein Team wieder den Anschluss fand. „Da hat das Zusammenspiel mit der Abwehr gut funktioniert“, gab Dave Hörnig das Lob weiter. Ein Wurf aus dem Rückraum, bei dem der Angreifer unter Druck gerät, ist für den Torwart dankbarer als ein freier Durchbruch mit einem Abschluss aus der Nahdistanz.
Trainer Rui Silva war mit dieser Phase zufrieden: „Gegen ein sehr gutes Zweitligateam war es zum Ende der ersten Halbzeit wirklich akzeptabel. Wir haben gekämpft und sie vor Probleme gestellt, sie mussten sich strecken.“ In diesem Abschnitt vermied der HCOB die überhasteten Torwürfe, die das Spiel in der Mitte der ersten Halbzeit geprägt hatten und zu Gegenstößen geführt hatten. Diese hatten den Coach auch deshalb geärgert, weil die Rückwärtsbewegung nicht stimmte – und das war in dieser Phase der Partie keine Frage der Kraft.
Gut, dass Dave Hörnig auf Betriebstemperatur war. „Er hat viele wichtige Paraden gezeigt, vor allem bei den Kontern“, lobte Rui Silva. Fast hätte sich die Aufholjagd in einem bemerkenswerten Pausenstand niedergeschlagen. Außenspieler Paul Krügele hatte Sekunden vor der Sirene den freien Wurf zum 15:15, scheiterte aber an Nordhorns Torwart Kristian van der Merwe, einem absoluten Topmann in Liga zwei. Dazu führte dieser Fehlwurf auch noch zu einem Konter. 14:16 statt Ausgleich, schon ärgerlich.
Vor allem auch deshalb, weil dieser Rückschlag den Spielern in der Pause nicht aus den Köpfen ging. Die HCOB-Handballer starteten nämlich auch in die zweite Halbzeit schlecht und kassierten die ersten drei Tore. Innerhalb weniger Minuten war aus einem ausgeglichenen Spiel ein Fünf-Tore-Rückstand geworden. „Zu viele einfache Fehler“, befand Coach Rui Silva, wie öfter in dieser Saison.
Und Nordhorn? Wirkte nun wieder gefestigt. „Sie haben das Spiel dann gut verwaltet.“ Obendrein hatten die Gäste in dieser Phase eine gute Chancenverwertung. Tarek Marschall, der schon mit dem HC Erlangen II wiederholt Gegner des HCOB war, ging entschlossen voran. Acht Tore gelangen ihm. Das war Bestwert an diesem Abend, gemeinsam mit Timm Buck von den Gastgebern, beide glänzten mit einer Trefferquote von 80 Prozent. Bei den Gästen überzeugte zudem Linkshänder Frieder Bandlow mit viel Dynamik. Er hat einen Erstligavertrag für Erlangen in der Tasche. Die Niedersachsen spielten ein hohes Angriffstempo und bewahrten sich stets den kurz nach der Pause herausgeworfenen Vorsprung.
HCOB-Keeper Dave Hörnig nahm für einige Minuten Platz auf der Bank, Janis Boieck kam aufs Spielfeld. Dann erfolgte der Rückwechsel. In der Schlussphase zeigte Dave Hörnig noch einmal seine gute Form. Er trug dazu bei, dass der Rückstand – wenn auch die erneute Niederlage nicht zu vermeiden war – nicht zu deutlich wurde. „Dave ist in den vergangenen Wochen selbstbewusster geworden“, sagte Trainer Rui Silva und lobte seinen Keeper für ein „gutes Spiel, wenn auch noch nicht perfekt. Aber er ist auch noch jung und kann sich noch viel weiterentwickeln.“
Der aus dem Offenburger Raum stammende Torwart nimmt solches Feedback vor allem als Ansporn und freut sich auf den Austausch mit Torwarttrainer Dragan Jerkovic: „Er hat immer Verbesserungsvorschläge, und das ist auch gut so. Mir ist wichtig, auch in den kommenden Wochen viele Einsätze zu bekommen und zu versuchen, auf diesem Niveau mitzuhalten.“ Dass es gegen Nordhorn trotz des statistisch klar gewonnen Torhüterduells nicht zu einer finalen Aufholjagd kam, hatte seine Ursache letztlich auch in einem bekannten Problem, der fehlenden Quantität an Spielern. „Wir konnten nicht im dafür erforderlichen Maß rotieren“, bilanzierte Trainer Rui Silva.
Dass der Kader durch Verletzungen ausgedünnt ist, lässt sich in der Tat nicht einfach kompensieren, auch wenn dieses Mal mit Niklas Diebel ein Spieler wertvolle Akzente setzte, der noch nicht so viel Spielzeit in dieser Saison hatte. „Er hat hervorragend für das Team gekämpft“, attestierte Rui Silva dem Rückraumwerfer ein großes Kämpferherz und einen ausgeprägten Teamgeist. Mit fünf Toren war Niklas Diebel, der in der kommenden Runde für den TSV Weinsberg in Liga vier spielen wird, in der zweiten Halbzeit sehr präsent – auch für die Datenscouts oben auf der Tribüne. Übertroffen wurde er an diesem Abend nur von Dave Hörnig.
Stimmen zum Spiel
HCOB-Trainer Rui Silva: „In der ersten Halbzeit haben mir zwei Dinge nicht gefallen: Wir haben zu schnell und ohne gute Vorbereitung abgeschlossen, zudem sind wir oft nicht gut zurückgelaufen. Gegen ein sehr gutes Zweitligateam war es zum Ende der ersten Halbzeit wirklich akzeptabel. Wir haben gekämpft und sie vor Probleme gestellt, sie mussten sich strecken. Leider sind wir schlecht in die zweite Halbzeit gestartet, haben ein paar einfache Fehler gemacht. Als sie dann mit fünf Toren in Führung lagen, haben sie das Spiel gut verwaltet. Bei uns war es auch eine Frage der fehlenden Quantität, wir konnten nicht im erforderlichen Maß rotieren. Niklas Diebel hat ein tolles Spiel gemacht und hervorragend fürs Team gekämpft.“
Rund ums Spiel
Nick Fröhlich und Jan Forstbauer gaben eine gute Figur ab und bekamen viel Lob – als Moderatoren der Fernsehübertragung überzeugten sie mit Fachwissen und interessanten Einblicken. Aber klar, beim HCOB würde man sie lieber auf dem Spielfeld sehen. Während bei Jan Forstbauer wie auch bei Lukas Süsser und Valentin Abt die Runde gelaufen ist, besteht zumindest bei Nick Fröhlich die Hoffnung, dass er in Kürze aufs Spielfeld zurückkehren kann.
Weil es in der MURRTAL-ARENA am Samstag sehr warm war, dehnte sich der Fernsehboden aus. Die Werbeaufkleber, die über beide Spielfeldhälften angebracht sind, warfen besorgniserreichende Falten. Die Bodenverlegexperten Michael Bühler, Reinhard Blank und Dirk Hail haben sich mittlerweile aber dermaßen Expertise angeeignet, dass das Problem schnell gelöst war. Der Technische Delegierte Jürgen Rieber hob erleichtert den Daumen, es konnte pünktlich losgehen.
Am kommenden Samstag spielt der HCOB am Samstagabend um 18 Uhr vor den Toren Berlins gegen den 1. VfL Potsdam.




