Vor etwa einem Jahr machte der Blick auf die Tabelle bei der zweiten Mannschaft des HC Oppenweiler/Backnang keine Freude. Das Team, das vor einigen Jahren noch in der Württembergliga spielte, kämpfte in der Landesliga gegen den Abstieg in die Bezirksoberliga. Mehr Freude machte die Jugendarbeit, in der es merklich vorangeht. Die männliche A-Jugend gewann 2025 die württembergische Meisterschaft, und aktuell spielen mit der männlichen B- und C-Jugend erneut zwei Teams in der Oberliga Baden-Württemberg.
Der HCOB formulierte daraus das konzeptionelle Ziel, den Übergang der Talente in die aktiven Mannschaften in den kommenden Jahren verstärkt in den Fokus zu rücken. Den Spielern, die derzeit in der Jugend ausgebildet werden, soll eine attraktive Perspektive im eigenen Verein geboten werden – auch wieder mit einer höheren Spielklasse im eigenen Club. Ein Nebeneffekt könnte werden, dass die Zweite, so sie in einer höheren Liga spielt, für herausragende Talente auch als Sprungbrett in die erste Mannschaft fungieren kann.
Diese Überlegungen mündeten im Landesligateam in einen Umbruch nach dem Ende der vergangenen Saison. Einige Akteure, die lange für die Zweite aktiv waren, beendeten ihre Laufbahn oder spielen nun in anderen HCOB-Teams. Nachwuchshandballer aus der erfolgreichen A-Jugend rückten in die Mannschaft, verstärkt um einige Routiniers sowie um die von anderen Clubs zu ihrem Stammverein zurückgekehrten Rückraumspieler Niklas Hug und Julian Friz sowie um Außenspieler Johannes Csauth. Außerdem kehrte Sebastian Forch, der die Mannschaft bereits in der Vergangenheit trainiert hatte, als Coach an den Spielfeldrand zurück.
Das sowohl im Jugendhandball wie auch im Bereich des Übergangs zu den Aktiven engagierte HCOB-Vorstandsmitglied Daniel Wieczorek verband mit diesen Aktivitäten, dass die Mannschaft bereits in dieser Runde wieder eine deutlich bessere Rolle in der Landesliga spielen könnte. Coach Sebastian Forch ging zu Rundenbeginn – er hatte in der Vorbereitung einen sehr guten Eindruck vom neu zusammengestellten Team gewonnen – noch weiter und kündigte an, gemeinsam mit seiner Mannschaft um den Aufstieg spielen zu wollen. Mit dem Ergebnis, dass es gleich in Spiel eins einen herben Dämpfer gab: bei Hbi Weilimdorf/Feuerbach fand das HCOB-Landesligateam nicht zu seiner Form und kassierte eine deutlich Auftaktniederlage.
Es blieb allerdings das einzige Negativerlebnis der Vorrunde. Der HCOB II nutzte den Umstand, in den nächsten drei Begegnungen zuhause antreten zu dürfen – und fand nun zielstrebig zu seiner Form. Gegen die Aufsteiger TV Stetten und SG Tübingen gab es erste Siege, dann setzte sich die Mannschaft von Coach Sebastian Forch in einem wichtigen Spiel gegen den TV Bittenfeld III durch – mit dem Blick auf die aktuelle Tabelle war es ein wichtiger Erfolg gegen einen der Hauptrivalen. Das Team war nun im Flow, löste auch Auswärtsaufgaben souverän und fuhr am vergangenen Wochenende den zehnten Sieg in Serie ein. 20:2 Punkte sind das Ergebnis einer starken Vorrunde – der HCOB II hat sich im Rennen um die Meisterschaft in Position gebracht.
Trainer Sebastian Forch findet, „dass das Zusammenspiel in der Vorrunde schon gut funktioniert hat.“ Es sei klar gewesen, dass das Angriffskonzept und das Abwehrverhalten seine Zeit brauchen würden, „aber wir werden da jetzt immer besser.“ Wichtig ist dem Coach die Erkenntnis, „dass alle Spieler ihren Beitrag zu diesem guten Abschneiden geleistet haben.“ Der HCOB hat einen breit aufgestellten Kader. Läuft es bei dem einen Spieler mal schlecht, besteht immer eine gute Perspektive, dass mit einem Wechsel eine Verbesserung auf dem Spielfeld eintritt. Dass der als Verstärkung angedachte Niklas Hug verletzungsbedingt nur wenig spielen konnte, „zeigt aus meiner Sicht vor allem, dass das Team funktioniert und ein gutes Selbstverständnis hat.“ Trotzdem war die Freude bei allen groß, als der Rückraumspieler mit Beginn des neuen Jahrs ins Team zurückkehrte und gegen den HC Winnenden mit fünf Toren auf sich aufmerksam machte.
Verbesserungsmöglichkeiten sieht Sebastian Forch im Bereich der „Cleverness“. Zudem ärgerte er sich öfter, dass sein Team kurzfristige Überzahlmomente auf dem Spielfeld zu oft nicht entscheidend nutzte, um dadurch die sogenannten „einfachen Tore“ mitzunehmen. Aber weit überwiegen würden die positiven Aspekte, betont Sebastian Forch, und freut sich besonders darüber, dass die Youngster so gut integriert seien. Exemplarisch denkt er an Kreisläufer Max Knietsch, der sowohl offensiv wie auch defensiv gut ins Team gefunden hat; an Flügelspieler Benjamin Wingenfeld, der mehrfach mit guten Leistungen auffiel; oder an Rückraumspieler Linus Schnürer, der mit viel Zug zum Tor entscheidende Treffer beisteuerte. Obendrein sei Torwart Moritz Bochum „für sein Alter schon erstaunlich weit.“ Und die Routiniers? Tut, was sie sollen: Sie übernehmen Verantwortung und engagieren sich sowohl auf als wie auch neben dem Spielfeld auch stark fürs Zusammenwachsen des Teams.
Die gute Ausgangsposition wollen die HCOB-Handballer nutzen. Trainer Sebastian Forch arbeitet konsequent mit seinem Team weiter. „Wir werden verstärkt an unseren Auftakthandlungen und an unserem Abwehrsystem feilen.“ Mit dem SV Salamander Kornwestheim II und dem TV Bittenfeld III warten starke Rivalen im Rennen um die Topplatzierungen nur auf einen Patzer des Führenden, zudem sind mit dem MTV Stuttgart, dem TV Stetten und Hbi Weilimdorf/Feuerbach weitere Teams ambitioniert. Der Coach weiß daher: Der Fokus muss weiter hoch bleiben, vielleicht sogar noch weiter geschärft bleiben. Denn klar ist für ihn: „Wir hatten in der Vorrunde auch einige glückliche Situationen, weshalb wir mit nur zwei Minuspunkten dastehen. Wir sind auf einem guten Weg – aber erreicht ist noch nichts.“
