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Zeitspiel, Anwurfzone, Kopftreffer

| Handballszene

Die Handballer bereiten sich derzeit auf die neue Saison vor. Dabei lernen sie auch neue Regeln. Besonders markant: in vielen Hallen muss ein Mittelkreis auf dem Spielfeld aufgezeichnet werden, die sogenannte Anwurfzone. Zeitspiel wird künftig schon nach vier Zuspielen abgepfiffen (und nicht erst nach sechs). Außerdem müssen Spieler, die dem Torwart den Ball aus unbedrängter Situation auf den Kopf werfen, künftig eine zweiminütige Zeitstrafe verbüßen.

In Summe werde das rasante Handballspiel nochmals schneller, glaubt Moritz Bühler. Gemeinsam mit Fabian Riegraf leitet er als Schiedsrichter Spiele in den Ligen des Handballverbands Württemberg. „Da werden wir künftig zu tun haben, um alle Tore zu notieren.“ Zwei der drei bedeutsamen Neuerungen tragen zur Erhöhung der Spielgeschwindigkeit bei.

Beim Zeitspiel („passives Spiel“) gilt künftig: Heben die Schiedsrichter den Arm („Vorwarnzeichen), dann muss nach dem vierten Abspiel das Tor anvisiert werden, sonst pfeifen die Unparteiischen und der Ballbesitz wechselt. „Grundsätzlich sehe ich in der Regel kein Problem“, findet Moritz Bühler. „Manchmal ist es vorgekommen, dass Mannschaften erst nach einem oder zwei Zuspielen gemerkt haben, dass Zeitspiel angezeigt ist, da könnte es künftig dann knapp werden. Aber ich denke, die Teams werden sich schnell daran gewöhnen.“

Wichtig sei, dass beide Schiedsrichter gut abgestimmt den Arm heben. Für ihn und seinen Partner Fabian Riegraf sei das kein Problem, „zumal wir uns mit einem Headset gut verständigen können.“ Einer gibt das Kommando und die Arme gehen gleichzeitig hoch. Die meisten HVW-Schiedsrichter schaffen mit Headset, in der Baden-Württemberg-Oberliga wird es eingesetzt, in den Bundesligen sowieso. Nur in der Dritten Liga müssen sich die Schiedsrichter weiter per Gestik und Mimik verständigen, das ist nicht mehr zeitgemäß.

Was bedeutet die Regel für die Spieler? Daniel Schliedermann, neu beim HC Oppenweiler/Backnang und als zentraler Rückraumspieler im Besonderen für die Steuerung zuständig, kann der Reduzierung der Anzahl der zulässigen Abspiele Positives abgewinnen: „Ich halte es für einen richtigen Schritt. Man hat in der Vergangenheit gesehen, dass sechs Pässe mit Fouls und Unterbrechungen oft lange werden konnten. Da musste man als Angriffsspieler einfach die Ruhe behalten und hoffen, dass die Abwehr nervös wird und einen Fehler macht.“ Fortan könnte sich engagierte Verteidigungsarbeit öfter mit einem überhasteten Fehlwurf der Angreifer oder einem Zeitspielpfiff bezahlt machen.

Regeländerung Nummer zwei betrifft die Ausführung des Anwurfs. Bisher musste der Spieler, der den Ball nach einem Gegentreffer wieder ins Spiel bringt, den Fuß auf der Mittellinie haben – nur dann konnte der Schiedsrichter anpfeifen. Manche Mannschaften perfektionierten diese Methode, kamen durch das Mittel der schnellen Mitte zu Überzahlsituationen. „Allerdings mussten wir als Schiedsrichter oft zurückpfeifen, wenn ein Akteur nicht genau mit dem Fuß auf der Mittelline stand“, sagt Moritz Bühler, das mutete manchmal kleinlich an. „Nun können die Mannschaften viel einfacher eine schnelle Mitte spielen.“ Es genügt, wenn sich der Anwerfer in der Anwurfzone befindet, einem Kreis in der Mitte des Feldes mit einem Durchmesser von vier Metern. „Er muss dabei auch nicht mehr Stehen“, ergänzt Moritz Bühler, weist aber auf ein Risiko hin: „Wer den Anwurf außerhalb der Anwurfzone ausführt, bekommt einen Freiwurf gegen sich gepfiffen.“ Sprich: der Ball ist futsch. Das ist neu. Bisher wurde ein unsauber ausgeführter Anwurf einfach wiederholt.

HCOB-Coach Matthias Heineke rechnet durch die Schaffung der Anwurfzone mit Auswirkungen auf die taktischen Aspekte des Spiels. Zum einen sei der Anreiz, nach einem Gegentreffer beispielswiese durch einen Kreisläufer oder einen Außenspieler zu einem schnellen Anwurf zu eilen, noch größer geworden. „Außerdem wird die Sache mit dem Spezialistenwechsel künftig noch schwieriger.“ Die Zeit, den Angriffsexperten durch den Abwehrfachmann zu ersetzen, was mit erheblichen Laufwegen verbunden ist, wird noch einmal ein bisschen kürzer. Wer sich nicht darauf einstellt, läuft Gefahr, nach eigenen Toren immer wieder schnell einen Gegentreffer hinnehmen zu müssen.

Nebeneffekt der Regeländerung: In den Spielhallen müssen neue Linie eingezogen werden. In den Spielstätten der Dritten Liga ist das verpflichtend. Die Anbieter von Sportmarkierungen freut es, sie sind in den Sommerferien super gebucht.  Die Gemeinde Oppenweiler ging beispielhaft voran, erledigte das noch vor dem großen Run, die neuen Markierungen waren in der Gemeindehalle ruckzuck angebracht. In anderen Spielstätten behilft man sich derzeit noch mit Behelfsmarkierungen auf dem Boden. Außerdem gilt, zumindest im Verbands- und Bezirksspielbetrieb und zumindest vorläufig, dass man auch den (etwas kleineren) Kreis aus dem Basketballsport nutzen kann.

Bleibt Regeländerung Nummer drei: Sie besagt, dass Handballer künftig mit einer Zeitstrafe bestraft werden, wenn sie in unbedrängter Situation den Kopf eines Torhüters treffen. Bisher gab es eine solche Regelung nur beim Siebenmeter, da wurde ein solches Vergehen sogar direkt mit Rot sanktioniert. Stefan Koppmeier, Torwart beim HC Oppenweiler/Backnang, findet, „dass wir dadurch mehr geschützt werden. Möglicherweise nimmt es den Werfern allerdings auch die eine oder andere Option.“ Er rät zum Abwarten, wie das in der Praxis umgesetzt wird. Schiedsrichter Moritz Bühler sagt: „Für die Torhüter ist es eine gute Sache. Ich hoffe allerdings, dass diese Situationen nicht oft auftreten. Wir hatten in den Spielen, die wir geleitet haben, in den vergangenen Jahren, zum Glück relativ wenige Kopftreffer.“

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