Gewaltiges Interesse: Das Nachbarschaftsduell der württembergischen Clubs stößt auf großen Zuspruch. Für die Fachzeitschrift „Handballwoche” ist es das Spiel der Woche. Zahlreiche Medienvertreter, Fotografen und Kamerateams haben ihr Kommen angekündigt. Die Sitzplatzkarten in der MURRTAL-ARENA sowie auf den Zusatztribünen sind bereits vergriffen. Diese werden von Ehrenamtlichen aufgestellt, um die Kapazität von rund 1.000 Besucherplätzen im Normalzustand auf 1.400 zu erhöhen. Einige Stehplatzkarten sind noch erhältlich – vorab unter www.hcob.de/tickets und, sofern noch vorhanden, ab 18 Uhr an der Tageskasse. Aus Bietigheim werden zahlreiche Fans anreisen, größtenteils mit der S-Bahn, um ihre Mannschaft zu unterstützen. Sie wittern eine Feier: Der Club aus dem Enztal kann in die erste Bundesliga aufsteigen.
Apropos Aufstieg: Es wird sich kaum ein Wettbüro finden, das noch Tipps auf die SG BBM Bietigheim als künftigen Erstligisten annimmt, denn der Vorsprung ist zu groß. Die spannende Frage ist, ob die Bietigheimer beim HCOB für den Aufstieg siegen müssen. Verliert der Tabellendritte HC Elbflorenz 2006 am Freitag in Hüttenberg, dann ist das Team aus dem Ellental vorher durch. Wenn diese Frage am Samstagabend noch nicht geklärt ist, stellt sich die nächste Frage: Wird es in der MURRTAL-ARENA spannend? Die Sport Bild rechnet nicht damit, dem Tabellenführer sollte ein Sieg gegen den Letzten „locker gelingen”. Käme es anders, wäre es laut Stuttgarter Zeitung „eine der größten Handball-Sensationen der Saison”. Der Aufstiegskandidat ist im Derby klar favorisiert.
Kleine Randnotiz: Österreichs Nationaltrainer kommt aus Backnang, zumindest im Fußball. Jeder weiß es, Ralf Rangnick ist gemeint. Im Handball gilt am Samstag: Der österreichische Nationaltrainer kommt nach Backnang. Bietigheims Coach Iker Romero ist zusätzlich zu seinem Engagement im Verein auch für die österreichischen Auswahl verantwortlich. Die Mannschaft hat sich – da gibt es Parallelen zu den Fußballern – im internationalen Vergleich mittlerweile einen guten Stellenwert erarbeitet. Bei der EM verpasste Team Austria den Einzug in die Hauptrunde nur knapp. Künftig ist er Iker Romero in vollem Umfang bei diesem Team, sein Vertrag in Bietigheim endet. „Ich bin zu 100 Prozent sicher, dass es die richtige Entscheidung ist, mich voll auf die österreichische Nationalmannschaft zu fokussieren und nur eine Aufgabe zu erfüllen”, sagt Iker Romero. Mit Blick auf seine aktuelle Trainerstation ergänzte er jedoch: „Das Einzige, was ich will, ist den Aufstieg zu schaffen und die Mannschaft in die erste Bundesliga zu führen.” Mit Hartmut Mayerhoffer (56) steht sein Nachfolger in Bietigheim fest. Er kehrt an seine frühere Wirkungsstätte zurück.
Die Lage beim HCOB: Trainer Rui Silva nutzt die aktuellen Begegnungen, um die Spieler weiterzuentwickeln. Der Auftritt in Potsdam war vielversprechend, die ersten 20 Minuten waren eine der besten Leistungen der Saison. Sein Team hätte ins Wanken kommen können, gestand VfL-Coach Emir Kurtagic, wenn der Gast nachgelegt hätte. Dafür fehlen derzeit die Wechseloptionen. Auch im Derby gegen Bietigheim wird der HCOB mit einem kleinen Kader antreten. Deshalb gibt der Coach vor: „Wir müssen wahre Kämpfer in der Abwehr sein und im Angriff sehr intelligent spielen.“ Er hofft, dass es ein sehr gutes Spiel zwischen zwei der besten Mannschaften der Region wird. Er freut sich sehr darüber, dass die Halle voll werden wird, denn „das wird auch die Spieler zusätzlich motivieren und für eine besondere Atmosphäre sorgen.“ Die Bietigheimer hätten sich den Platz an der Sonne, vor allem nach so vielen Spielen, verdient. „Es ist eine sehr gut vorbereitete Mannschaft mit einem ausgezeichneten Trainer. Sie verfügt über ein sehr starkes Abwehrsystem und viel Qualität im Angriff.“
Wiedersehen mit dem Jugendverein: Paul Krügele spielt seit diesem Sommer für den HC Oppenweiler/Backnang. Der aus Hessigheim stammende Linksaußen hat jedoch auch eine enge Beziehung zur SG BBM Bietigheim. Er wurde von diesem Verein an den HCOB ausgeliehen, und das nicht nur in dieser, sondern auch in der kommenden Runde, was bereits feststeht. Im Ellental absolvierte er den Großteil seiner Jugendausbildung. Deshalb betont der 20-Jährige: „Für mich ist es natürlich ein besonderes Spiel, weil ich viele Leute kenne und dort lange Zeit verbracht habe.“ Er freut sich auf das Wiedersehen, betont aber auch: „Aktuell bin ich voll auf unsere Mannschaft fokussiert. Wir wollen ein gutes Spiel machen und alles reinwerfen.“ So wie im Hinspiel, als der HCOB die SG-Handballer bis zur letzten Sekunde bedrängte. „Dass Bietigheim um den Aufstieg spielt, macht die Partie zusätzlich interessant“, findet Paul Krügele.
Weitere Berührpunkte: Mit Nikola Vlahovic ist ein Akteur zum Leistungsträger bei der SG gereift. Er war in jungen Jahren mit einem Zweifachspielrecht drei Jahre für den HCOB aktiv und absolvierte 33 Begegnungen. Die dabei gesammelte Spielpraxis war für seine Entwicklung wichtig. Fünf Spiele im grünen HCOB-Trikot absolvierte auch Jonathan Fischer, der ebenfalls per Zweifachspielrecht eingesetzt wurde. Der Kreisläufer, der ligaweit den besten Handball Performance Index auf seiner Position aufweist, fällt allerdings derzeit aus, da er sich einer Knieoperation unterziehen musste. Zudem ist mit Matthias Heineke der langjährige HCOB-Coach bei Bietigheim im Einsatz, wo er als Leistungssportkoordinator fungiert. Auch Torwart Jürgen Müller, der vier Jahre beim HCOB zwischen den Pfosten stand und ein Jahr als Torwarttrainer tätig war, ist inzwischen in gleicher Funktion für Bietigheim aktiv.
