Die HCOB-Handballer kleben mit nur zwei Pluspunkten am Tabellenende fest. Eine Verbesserung der Tabellensituation ist angesichts des deutlichen Rückstands auf den Vorletzten HSG Krefeld Niederrhein nicht in Sicht. Im neuen Jahr ist das Verletzungspech ein steter Begleiter. Zunächst erwischte es Kapitän Jan Forstbauer, in der vergangenen Woche schied Kreisläufer Lukas Süsser aus und nun musste Martin Schmiedt aufgrund einer Verletzung am Mittelfuß noch während des laufenden Spiels ins Krankenhaus gebracht werden. Es ist sicher keine einfache Situation. All das rechtfertigt jedoch nicht den enttäuschenden Auftritt gegen den TSV Bayer Dormagen.
Im Gegenteil: Wie leicht sich die Abwehr der HCOB-Handballer austanzen ließ, war für alle, die es mit der Mannschaft halten, doch sehr frustrierend. Die Spieler des Rivalen, der zwar gute Chancen auf den Ligaverbleib hat, sich angesichts des Krefelder Aufwärtstrends aber noch nicht sicher fühlen kann, kamen mit hohem Tempo und setzten sich immer wieder entschlossen durch. Oft reichte schon eine Körpertäuschung. Torgefahr ging von allen Positionen aus. Die Rückraumspieler setzten sich durch, die Außen bekamen gute Winkel und vor allem das Spiel über den Kreis gelang ganz wunderbar. Der dort positionierte Julius Hein war mit zehn Treffern der beste Schütze der Gastmannschaft und maßgeblich am Kantersieg des TSV beteiligt.
Dabei begann die Partie für den HCOB nicht so schlecht. Eine Viertelstunde lang waren die Hausherren bei der Musik. Sie hatten im Angriff einige gute Szenen. Zwei Akteure setzten dabei die maßgeblichen Akzente: Malte Dederding erzielte zehn Treffer bei 14 Versuchen. Timm Buck brauchte für neun Tore sogar nur elf Versuche. Die beiden Rückraumspieler hatten eine gute Quote. Ihre Mitspieler taten sich bei ihren Wurfversuchen hingegen schwerer, vor allem, als die Gäste Christian Simonsen einwechselten. Der Torwart hatte maßgeblichen Anteil daran, dass die Partie ab der 15. Minute in Richtung Dormagen kippte. „Er hat uns sehr stabilisiert“, lobte ihn sein Coach Julian Bauer. Seine erste Aktion war eine Glanzparade mit einem anschließenden Fernwurftor aus 38 Metern – so kann man ins Spiel starten.
In den Minuten bis zur Pause erlosch das Feuer in der von Anfang an nicht sattelfesten HCOB-Defensive immer mehr. Die Eins-gegen-Eins-Duelle endeten in schöner Regelmäßigkeit mit Durchbrüchen, und gegen die freien Würfe aus der Nahdistanz hatten die Keeper Dave Hörnig und Janis Boieck dann wenig auszurichten. Innerhalb weniger Minuten ergab sich dadurch ein deutlicher Rückstand, das Ergebnis zur Pause war ernüchternd. Die Gastgeber lagen mit 15:23 zurück.
„Das war heute leider frustrierend. Das war keine Frage der Taktik, wir haben vielmehr in der Abwehr keine Einstellung gehabt und so gut wie jedes Eins-gegen-Eins verloren“, sagte HCOB-Coach Rui Silva, und diese Einstufung hatte ihre Berechtigung, weil auf die schon schwache erste Halbzeit eine nicht bessere zweite folgte. Im Angriff gab es gegen die Dormagener Abwehr, die statistisch nicht zu den sattelfestesten der Liga zählt, zwar mehr Treffer als in den vergangenen Spielen, erstmals erreichten die Murrtaler in diesem Jahr die 30-Tore-Marke. Das lag aber auch daran, dass insgesamt sehr viele Angriffe gefahren wurde. Und das wiederum lag vor allem daran, dass die Dormagener auch in der zweiten Halbzeit leichtes Spiel hatten und ihre Angriffe oft schon in kurzer Zeit zum erfolgreichen Abschluss brachten. Dass die Gastgeber verschiedene Varianten in der Abwehr ausprobierten, war insofern nicht entscheidend, weil in einer jeder Biss und Entschlossenheit gefragt sind. Und das fehlte.
Für die HCOB-Handballer wurde es somit zunehmend ein frustrierender Heimspielnachmittag, während Dormagen – konzentriert, zielstrebig und weitestgehend fehlerfrei – die Gunst der Stunde nutzte und seinen Vorsprung immer weiter ausbaute. Für ihren Coach Julian Bauer war es das versöhnliche Ende einer englischen Woche, bei der ihm die schwache Leistung seines Teams im Nachholspiel bei den Eulen Ludwigshafen zu denken gegeben hatte. Die HCOB-Akteure hingegen ließen den Kopf hängen. 49 Gegentreffer, mehr Tore musste in dieser Zweitligasaison keine Mannschaft in einem Spiel hinnehmen, es ist ein unerfreulicher Negativrekord.
Stimmen zum Spiel
HCOB-Trainer Rui Silva: „Das war heute leider frustrierend. Das war keine Frage der Taktik, wir haben vielmehr in der Abwehr keine Einstellung gehabt und so gut wie jedes Eins-gegen-Eins verloren.“
TSV-Trainer Julian Bauer: „Die Einwechslung von Torwart Christian Simonsen hat uns sehr stabilisiert. Wir sind 60 Minuten Tempo gegangen. Vorne haben wir viele Zweikämpfe auf hohem Niveau gewonnen.“
Rund ums Spiel
Für die HCOB-Handballer geht es am kommenden Freitag mit dem Auswärtsspiel beim VfL Eintracht Hagen weiter. Anwurf in der Ischelandhalle ist um 19.30 Uhr.




