Im ersten Auswärtsspiel des Jahres 2026 musste nicht nur der am Kreuzband verletzte Kapitän Jan Forstbauer passen. Auch Nick Fröhlich stand in der HUK-COBURG arena nicht auf dem Platz. Niklas Diebel konnte zwar mitspielen, allerdings nur in der Abwehr. Im Rückraum standen für den Angriff somit lediglich vier Spieler zur Verfügung: Timm Buck, Malte Dederding, Dominik Weiß und Valentin Abt. Coach Rui Silva wechselte häufig, um die Kräfte aller Akteure gut zu verteilen, doch die Möglichkeiten waren begrenzt. Für den erkrankten Torwart Dave Hörnig rückte Moritz Bochum aus dem Landesligateam auf. Bei Coburg fehlten auch zwei Spieler, aber die Oberfranken haben den Vorteil eines personell breit aufgestellten Kaders.
Die HCOB-Handballer zeigten in der ersten Halbzeit einen couragierten Auftritt. Sie verteidigten in der Abwehr offensiv und brachten die Coburger so in schwierige Wurfsituationen. Dadurch kamen die Coburger in Durchgang eins aus dem Rückraum kaum zum Zug. Es gelang ihnen allerdings, die Außen, vor allem Jesper Schmidt, in Szene zu setzen und zudem relativ viele Siebenmeter herauszuholen. Weil HCOB-Torwart Janis Boieck einen guten Tag erwischte und 13 Paraden sammelte, musste der Aufsteiger im ersten Durchgang trotzdem nur zwölf Gegentreffer hinnehmen. „Es ist uns gelungen, sie mit unserer Abwehr vor Aufgaben zu stellen“, freute sich Co-Trainer Frederick Griesbach.
Auf der Gegenseite setzte Timm Buck zu Beginn Akzente. Der Rückraumspieler erzielte die ersten drei Tore für den HCOB, der damit im Spiel war. Die Mannschaft traute sich im Konter mehr zu und so war es kein Zufall, dass ein Gegenstoßtreffer von Paul Krügele nach zwölf Minuten die 6:5-Führung brachte. Auch im Zusammenspiel mit Kreisläufer Lukas Süsser gelangen gute Aktionen. Der Winterzugang vom TuS Ferndorf nutzte zwei Vorarbeiten zum 10:8 in der 22. Minute.
In dieser Phase hätte der Außenseiter gegen eine etwas verunsicherte Coburger Mannschaft sogar weiter davonziehen können. Die Mannschaft spielte sich gute Chancen heraus. Allerdings scheiterten sie zu oft auch mit besten Gelegenheiten an Petros Boukovinas. Der griechische Nationaltorhüter ist nach Kristian van der Merwe (HSG Nordhorn-Lingen) der Zweitligatorwart mit den zweitmeisten Paraden. HCOB-Coach Rui Silva sagt über ihn: „Er könnte auch der Torwart bei einem Erstligisten sein.“ Der HSC 2000 Coburg hatte es seinen Glanztaten zu verdanken, dass es mit einem 12:12 in die Pause ging.
Nach dem Seitenwechsel fanden die Angreifer der Heimmannschaft vermehrt Lücken in der Abwehr des HCOB. Sie hatten nun andere Spielertypen im Einsatz. Die Rückraumwerfer Marin Lisac und Nejc Planinsek setzten Akzente und zogen mit viel Schwung in die Nahwurfzone. Sie sorgten maßgeblich dafür, dass sich die Heimmannschaft Schritt für Schritt absetzte. Die Gäste taten sich hingegen weiterhin schwer mit der Chancenverwertung. Immer wieder war Endstation bei Torwart Petris Boukovinas, der am Ende einen Handball Performance Index von 98 Punkten erreichte – nah am Traumwert von 100. Nach einer Dreiviertelstunde lagen die Gastgeber mit 19:16 in Führung.
Beim HC Oppenweiler/Backnang machte sich nun auch bemerkbar, dass viele Spieler schon lange auf dem Feld standen. Im Angriff fehlte es an der erforderlichen Durchschlagskraft, sodass die statistischen Werte sanken. Dominik Weiß, der in der Vorwoche mit fünf Treffern noch bester Werfer war, kam nur selten frei zum Wurf und erzielte bei sechs Versuchen nur einen Treffer. Auf der halbrechten Angriffsposition lag viel Verantwortung beim letzten verbliebenen Rückraum-Linkshänder Malte Dederding. Er traf zwar fünfmal, benötigte dafür aber auch 13 Versuche.
Und so wurde aus einem Spiel, das zur Pause noch unentschieden stand, letztlich doch eine klare Angelegenheit. Trainer Rui Silva bewertete einige Aspekte des Spiels positiv, insbesondere die Entwicklung der Abwehr in der ersten Halbzeit. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, dass der HCOB aus den Phasen, in denen er mithielt oder gar am Drücker war, zu wenig Kapital in Form eines kleineren Vorsprungs schlug. Die Coburger hingegen nutzten die Spielabschnitte, in denen sie das Spiel dominierten, deutlich effektiver. So wurde es am Ende der erwartete Favoritensieg.
Stimmen zum Spiel
HCOB-Co-Trainer Frederick Griesbach: „Für uns ging es darum, einen weiteren Schritt in unserer Entwicklung zu machen. Über einen Zeitraum von 40 bis 45 Minuten ist es uns auch gelungen, sie mit unserer Abwehr vor Aufgaben zu stellen. Im Angriff hat uns die Durchschlagskraft gefehlt, wobei Coburgs Torwart Petros Boukovinas auch wirklich sehr gut gehalten hat. Auf die 45 guten Minuten können wir aufbauen.“
HSC-Trainer Anel Mahmutefendic: „Der HCOB war mit seiner Abwehr lange nervig. Wir sind nicht gut in die erste Halbzeit gekommen und sie war sehr chaotisch. In der zweiten Halbzeit haben wir taktisch mehr das gespielt, was wir uns vorgenommen haben, so haben wir es dann auch über die Bühne bekommen.“
Rund ums Spiel
Für den HCOB geht’s am kommenden Freitag mit dem Heimspiel gegen TuSEM Essen weiter. Das ist auch mit Blick auf die Tabelle von großer Bedeutung, nimmt der mehrmalige Europapokalsieger doch Rang 16 ein, den ersten Nichtabstiegsplatz. Gespielt wird um 19.30 Uhr in der Backnanger MURRTAL-ARENA.




