Für HCOB-Coach Rui Silva war klar: „Wir können stolz auf unsere heutige Leistung sein.“ Die Bietigheimer standen seit Freitagabend als Aufsteiger in die erste Bundesliga fest, nachdem der Tabellendritte HC Elbflorenz 2006 in Hüttenberg verloren hattea. Das war mit Spielbeginn aber aus den Köpfen. „Wir haben gegen ein sehr starkes Team gespielt, das mit derselben Intensität wie sonst auch gespielt hat“, befand Rui Silva.
Vor und nach dem Spiel ging es zwischen den beiden Clubs, die ein gutes Verhältnis zueinander pflegen, freundschaftlich zu. Während der 60 Minuten war der Derbycharakter deutlich zu spüren. Es ging emotional zur Sache. Zwischendurch schien es sogar, als könnte der Außenseiter für eine große Handball-Sensation sorgen.
Die Handballer des HCOB spielten ohne Furcht. Sie verteidigten engagiert und Torwart Dave Hörnig war hellwach. Im Angriff trafen die Rückraumspieler Timm Buck und Malte Dederding nach Belieben. Ein Highlight war ein Kempa der beiden, bei dem Timm Buck die Vorlage gab und Malte Dederding mit einem Wurf um den Körper herum einnetzte. Die Gastgeber lagen zeitweise vorn. Das beflügelte die einheimischen Fans. Da die Bietigheimer ebenfalls rund 400 begeisterte Anhänger mitgebracht hatten, war die Stimmung in der ausverkauften MURRTAL-ARENA dem Siedepunkt nahe.
Der HCOB überstand rund um die 20. Minute eine doppelte Unterzahl und spielte in dieser Phase 1:1. Ärgerlich war, dass die Gastgeber ihre Überzahl nach einer Hinausstellung gegen den Bietigheimer Moritz Strosack nicht nutzen konnten. Sie gerieten ins Hintertreffen. Die Schlussminuten in Durchgang eins gehörten dem personell breiter aufgestellten Team aus Bietigheim. Obwohl Timm Buck mit der Sirene noch ein Treffer gelang, gingen die Hausherren mit einem 13:17 in die Kabinen. Kurz vor der Pause verschärften sich die Personalsorgen des HCOB. Työrvi Týr Gislason musste mit einer Platzwunde behandelt werden, Malte Dederding verletzte sich am Fuß und konnte nicht weiterspielen.
„So mussten wir die gesamte zweite Halbzeit mit nur drei Rückraumspielern auskommen“, bedauerte Trainer Rui Silva. Er fand es gerade deshalb stark, „dass wir trotzdem viel Druck auf Bietigheim ausgeübt haben.“ Mit einem Lachen fügte er hinzu: „Ich vermute, Bietigheim hätte gern ein einfacheres Spiel gehabt.“ Kurz nach der Pause sah es beim Stand von 20:15 nach einem souveränen Sieg des Favoriten aus. Doch der HCOB steckte niemals auf und entfachte ein neues Feuer.
Den Hausherren gelang erneut ein Kempa-Tor (Niklas Diebel), worüber sich Rui Silva besonders freute: „Es war Teil unseres Plans und ist aufgegangen.“ Der HCOB hatte nun Oberwasser. Timm Buck scheiterte am Pfosten, eilte aber dem Abpraller hinterher und traf zum 23:23. Dann holte Kreisläufer Ruben Sousa mit seinem Treffer die Führung für die Heimmannschaft zurück. Die Halle explodierte. Plötzlich war alles möglich. „Wir waren bis zur 50. Minute voll im Spiel“, fand Rui Silva.
Doch für den ganz großen Coup reichte es nicht. Maxim Orlov wurde zum entscheidenden Mann bei Bietigheim. Der Rückraumspieler war im Winter vom Erstligisten TSV Hannover-Burgdorf gekommen, um den Aufstiegsambitionen der SG einen zusätzlichen Schub zu verleihen. Zudem zeigte der tschechische Nationalkeeper Jan Hrdlicka mit neun Paraden in der zweiten Halbzeit eine starke Leistung.
Und der HCOB? „Wir haben leider ein paar Fehler gemacht, weil wir müde waren“, bedauerte Coach Rui Silva. Aber wer konnte es den Spielern verdenken, die einen großen Kampf geliefert und dem Favoriten alles abverlangt hatten? Als Orlov drei Minuten vor dem Ende auf drei Tore Vorsprung erhöhte, war die Entscheidung gefallen. Mit fünf Toren fiel der Sieg zu deutlich aus, was den starken HCOB-Auftritt nicht trübte. Nach Spielende gab es großen Applaus für alle. „Es war eine tolle Stimmung mit den vielen Zuschauern hier in der Halle“, sagte der Coach.
Rui Silva freute sich über den nächsten Schritt in der Entwicklung seiner Mannschaft. „Ich denke, das Team ist gewachsen“, sagte er und hatte dabei neben dem Spiel gegen Bietigheim auch die Leistungen der vergangenen Wochen im Hinterkopf. „Die Mannschaft kämpft, so wie ich mir das wünsche.“
Der schmale Kader bleibt eine Herausforderung. Mit Dominik Weiß konnte ein weiterer Rückraumspieler aufgrund einer in Potsdam erlittenen Verletzung nicht mitspielen. Rui Silva erklärt, was das bedeutet: „Es ist nicht einfach, das unter der Woche und im Spiel zu managen.“ Trotzdem sieht er auch die positiven Aspekte: „Wir finden Lösungen.“
Die Pause am kommenden Wochenende aufgrund von Länderspielen kommt dennoch nicht ungelegen: „Wir wollen sie nutzen, um Kräfte zu sammeln. Wir werden in den letzten drei Spielen bis zum Ende der Meisterschaft weiterkämpfen.“ Und den Bietigheimer Aufstieg? Rui Silva sieht ihn positiv: „Es ist gut für die Region, wenn viele Clubs in den höchsten Ligen vertreten sind.“
Stimmen zum Spiel
HCOB-Trainer Rui Silva: „Wir können stolz auf unsere heutige Leistung sein. Wir haben gegen ein sehr starkes Team gespielt, das mit derselben Intensität wie sonst auch gespielt hat. Leider haben wir derzeit nicht genug Spieler und hatten in diesem Spiel auch noch das Pech, dass sich Malte Dederding und Työrvi Týr Gislason verletzt haben. So mussten wir die gesamte zweite Halbzeit mit nur drei Rückraumspielern auskommen und haben trotzdem viel Druck auf Bietigheim ausgeübt. Ich vermute, Bietigheim hätte gern ein einfacheres Spiel gehabt. Wir waren bis zur 50. Minute voll im Spiel. Dann haben wir leider ein paar Fehler gemacht, weil wir müde waren. Nun haben wir eine Pause, und die wollen wir nutzen, um Kräfte zu sammeln. Wir werden in den letzten drei Spielen bis zum Ende der Meisterschaft weiterkämpfen.“





