Die Wölfe hatten zuletzt durchwachsene Ergebnisse. Zwei Niederlagen, ein Zittersieg gegen Schwäbisch Gmünd. In der Backnanger MURRTAL-ARENA zeigten sie sich davon unbeeindruckt. Sie erwiesen sich über 60 Minuten als unbequemer und hartnäckiger Gegner. HCOB-Coach Rui Silva attestierte der Mannschaft von Dragos Oprea, „dass sie viel Druck ausgeübt haben.“ Für sein Team sei es – auch aufgrund der englischen Woche und eines reduzierten Kaders – eine sehr schwere Aufgabe gewesen, „gegen einen starken Gegner, und es war nicht immer schön.“ Zumindest spielerisch. In puncto Emotionalität hingegen schon. Den Erfolg verdiente sich die Heimmannschaft durch Kampfgeist und Leidenschaft. Die 900 Zuschauer honorierten das: Sie feuerten die Gastgeber entschlossen an.
In den ersten Minuten dominierten die Gastgeber klar. Sie verteidigten aufmerksam, nutzten ihre Torgelegenheiten, und nach wenigen Minuten stand es 6:2. Dann schlichen sich im Angriff viele Fehler ein. Würzburgs Keeper Sebastian Klein avancierte zum besten Spieler seines Teams. Er machte auch Hochkaräter zunichte. Die Unterfranken nutzten ihre Torgelegenheiten besser. Vor allem die Flügelzange mit Tim Bauder und Jona Reidegeld machte viel Betrieb. Beide kamen auf sechs Treffer aus dem Spiel heraus. Die Wölfe gingen zweimal in Führung. Weiter weg kamen sie nicht. Beim HCOB sorgte vor allem Lev Szuharev dafür, dass die Flaute im Angriff nicht zu große Ausmaße annahm. Ihm gelangen gegen seinen ehemaligen Verein in Durchgang eins fünf Treffer. Ab der 17. Minute gestalteten die Hausherren die vorübergehend sehr torarme Partie wieder von vorne – ohne entscheidend wegzukommen. Kurz vor der Pause glich Würzburg zum 14:14 aus. Alles offen.
Nach dem Seitenwechsel blieb es einige Minuten eine zähe Angelegenheit. Der HCOB konnte sich aber auf seine Defensive verlassen. Der eingewechselte Torwart Dave Hörnig machte reihenweise gegnerische Würfe zunichte. Am Ende standen elf Paraden für ihn zu Buche, die allermeisten davon in der Phase nach dem Wiederanpfiff. Das brachte Gästetrainer Dragos Oprea auf die Palme: „Wir haben in den entscheidenden Phasen, in denen wir dran waren, zu viele Fehler gemacht.“ Oder konkreter: „Wir haben zu viel verworfen und wir haben vorne nicht mutig gespielt.“ Kein Wunder, lief ein jeder Wurf doch Gefahr, eine Beute von Dave Hörnig zu werden. So setzte sich der HCOB um die 40. Minute wieder auf vier Tore ab.
Die Gastgeber entwickelten vor allem aus dem Rückraum viel Gefahr. Die Wurfquote war mit 78 Prozent nun richtig gut. Timm Buck setzte sich immer wieder entschlossen durch. Louis Mönch setzte sich wiederholt in Szene. Lev Szuharev setzte drei weitere Würfe in die Maschen, war mit acht Toren der beste Feldtorschütze der Partie. Und auch Christos Erifopoulos strahlte aus der zweiten Reihe viel Gefahr aus, als Werfer und als Zuarbeiter für seine Nebenleute. Dazu war auch Linksaußen Felix Klingler treffsicher. Wölfe-Keeper Sebastian Klein war nicht mehr der Faktor wie in Durchgang eins.
Weil die Würzburger nie aufsteckten und ab der 45. Minute im Angriff ebenfalls sehr zielsicher agierten, blieb es aber spannend bis zum Ende. Denn der HCOB musste nun vorne regelmäßig treffen, und das tat die Mannschaft auch. Als Christos Erifopoulos fünf Minuten vor dem Ende zum 30:26 einnetzte, deutete vieles auf einen Sieg hin. Nach dem 32:28 durch Timm Buck hatte kaum noch einer Zweifel – auch wenn es die Wölfe am Ende noch mit einer offenen Manndeckung versuchten. Die vier Tore aber blieben. Felix Klingler machte mit der Sirene den Deckel drauf. Per Siebenmeter stellte er auf 35:31. Für den HCOB war es der siebte Sieg in Serie. Das Team ist und bleibt Spitzenreiter.
Stimmen zum Spiel
HCOB-Trainer Rui Silva: „Es war ein schweres Spiel für uns, gegen einen sehr guten Gegner, und es war nicht immer schön. Würzburg hat viel Druck ausgeübt. Wir haben die Begegnung mit viel Kampf und Einsatz gewonnen. Es ist schön zu sehen, wie sich die Mannschaft einbringt und welchen tollen Teamgeist sie heute gezeigt hat.“
Wölfe-Trainer Dragos Oprea: „Es war ein spannendes Spiel. Wir haben in den entscheidenden Phasen, in denen wir dran waren, zu viele Fehler gemacht. Wir haben zu viel verworfen und wir haben vorne nicht mutig gespielt. In der Abwehr waren wir nicht konstant, und dann ist es schwierig, die Rückraumspieler des HCOB zu halten.“
Rund ums Spiel
Der HCOB musste personell improvisieren. Mit Martin Schmiedt (Rippenverletzung) und Paul Krügele (krank) fehlten beide Linksaußen. So musste erst Lukas Rauh auf ungewohnter Position ran, dann David Soos. Auch im halbrechten Rückraum herrschte ein Engpass. Sacha Koltes und Jan Forstbauer fehlen bekanntlich schon länger, nun musste auch Robert Krass aufgrund einer Gehirnerschütterung kurzfristig aussetzen. Die meiste Zeit spielte Lev Szuharev, und er machte ein großes Match.
Der HCOB hat am kommenden Wochenende spielfrei. Weiter geht es am Samstag in einer Woche auswärts bei der SG Pforzheim/Eutingen.
Das Schiedsrichtergespann Peter Abel (Fürth) und Christian Herpolsheimer (Erlangen) zeigte eine souveräne Leistung. Die beiden Unparteiischen agierten unaufgeregt und ohne Fehl und Tadel – obwohl sie auf der Anreise von einer Polizeikontrolle aufgehalten worden waren. Die beiden Schiedsrichter gehören dem Entwicklungskader des Deutschen Handball-Bundes an, damit sind sie Kandidaten für den Aufstieg in die Zweite Liga.



