Beim neuen Spitzenreiter der Dritten Liga erhält der 19-Jährige zunehmend Verantwortung, insbesondere in der Defensive. Trainer Rui Silva ist von der Entwicklung des 2,08 Meter großen Kreisläufers angetan. „Patrick ist der jüngste Spieler in unserem Kader, aber er lernt sehr schnell. Er ist ein Spieler mit einem unglaublichen Fokus und einer großen Motivation.“ Der Portugiese schätzt insbesondere die Einstellung seines Schützlings und dessen Bereitschaft, sich kontinuierlich zu verbessern. Rui Silva sieht großes Potenzial in dem talentierten Handballer und ist überzeugt, dass sein Schützling noch ein ganz anderes Niveau erreichen kann.
Dass der junge Handballer bereit ist, einiges für seinen Sport aufzubringen, zeigte sich schon vor sechs Jahren. Patrick Kiesewalter war gerade einmal 13 Jahre alt, als er seine Heimatstadt München und sein Elternhaus verließ, um bei der SG DJK Rimpar – und damit dem Stammverein der Wölfe Würzburg – die nächsten Schritte in seiner sportlichen Entwicklung zu machen. „Ich hatte damals einfach sehr viel Spaß am Handball und meine Eltern haben mich immer unterstützt. Mit Würzburg habe ich einen Standort gefunden, der noch in Bayern liegt und nicht allzu weit von zu Hause entfernt ist.“
Leicht fiel ihm der Schritt dennoch nicht. Familie und Freunde blieben in München zurück, zudem musste er schon früh lernen, seinen Alltag selbst zu organisieren, beispielsweise beim Kochen. Rückblickend sieht Patrick Kiesewalter diese Erfahrungen als wichtigen Bestandteil seiner Entwicklung. In Würzburg konnte er Schule und Leistungssport miteinander verbinden, gleichzeitig lernte er, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.
Sportlich ging es ebenfalls voran. Mit dem Rimparer Nachwuchs spielte Patrick Kiesewalter in der Jugendbundesliga. Im Frühjahr 2023 wurde er vom Deutschen Handball-Bund zu einem Sichtungslehrgang eingeladen. Ein weiterer wichtiger Schritt folgte im Sommer 2024, als der damals 17-Jährige zur Nachwuchsakademie des Bundesligisten VfL Gummersbach wechselte. Dort sammelte er Erfahrungen in der Jugend und in der zweiten Mannschaft, vor allem aber durfte er regelmäßig mit dem Profiteam trainieren. „In Gummersbach konnte ich Erfahrungen auf Topniveau sammeln, vor allem durch die Trainingseinheiten mit der Bundesligamannschaft.“ Besonders die körperliche Entwicklung und die Bedeutung eines gezielten Krafttrainings nahm er aus dieser Zeit mit.
Seit Sommer trägt Patrick Kiesewalter das Trikot des HC Oppenweiler/Backnang. Der Wechsel zum Drittligisten soll ihm helfen, sich dauerhaft im Erwachsenenhandball zu etablieren. Dass dies trotz seiner außergewöhnlichen körperlichen Voraussetzungen kein Selbstläufer ist, weiß der Kreisläufer. Spielverständnis, Timing und die richtige Positionierung spielen eine ebenso wichtige Rolle wie Kraft und Größe. „Ich möchte vor allem mehr Konstanz in meinem Angriffsspiel entwickeln, meine Abwehrarbeit verbessern und körperlich noch robuster werden.“
Beim HCOB zeigen sich inzwischen die nächsten Fortschritte. Nach starken Leistungen in der Defensive beim Heimsieg gegen Schwäbisch Gmünd gelangen Patrick Kiesewalter zuletzt beim 33:26 gegen den TSV Neuhausen/Filder auch drei Treffer. Er spürt selbst, dass es vorangeht. „Ich habe inzwischen mehr Sicherheit gewonnen und vertraue sowohl unserem System als auch meinem eigenen Spiel mehr.“ Rui Silva ist überzeugt, dass noch wesentlich mehr in seinem jungen Kreisläufer steckt. „Wenn er so weiterarbeitet, glaube ich, dass er eine sehr interessante Zukunft vor sich hat.“
Am Mittwoch steht für den 19-Jährigen nun eine besondere Begegnung auf dem Programm. Um 20 Uhr empfängt der HCOB in der Murrtal-Arena die Wölfe Würzburg, also jenen Verein aus dem Umfeld seiner früheren Station in Rimpar. Für Patrick Kiesewalter ist es ein Wiedersehen mit seiner handballerischen Vergangenheit. „Für mich ist es schon ein besonderes Spiel. Ich werde einige Spieler wiedersehen, mit denen ich in der Jugend zusammengespielt habe. Der Co-Trainer war damals mein Jugendtrainer.“
Sportlich möchte Patrick Kiesewalter allerdings keine Rücksicht auf frühere Verbindungen nehmen. Der HCOB hat zuletzt sechs Siege in Folge eingefahren und will seinen erfolgreichen Lauf fortsetzen. Gegen Würzburg sieht der Kreisläufer vor allem die Defensive als Schlüssel. Aus einer stabilen Abwehr heraus soll seine Mannschaft ins Tempospiel kommen und dem Gegner die eigene Spielweise aufzwingen. So besonders das Wiedersehen für ihn persönlich auch sein mag, sein Ziel ist eindeutig: „Sobald das Spiel angepfiffen wird, liegt der Fokus aber voll auf Handball. Wir wollen als Mannschaft unsere Leistung auf die Platte bringen und die Punkte zu Hause behalten.“
Rund ums Spiel
Die Begegnung wird live auf sporteurope.TV übertragen. Ein ausführlicher Liveticker wird unter live.hcob.de angeboten. Eintrittskarten gibt es online unter www.hcob.de/tickets und an der Tageskasse.
Neben Patrick Kiesewalter hat auch Lev Szuharev eine Verbindung zu den Wölfen Würzburg. Der Rückraumspieler trug in der vergangenen Saison das Trikot des Clubs aus Unterfranken.
Ein kleines Jubiläum steht für die Handballer des HCOB an: Zum 25. Mal bestreiten sie ein Spiel an einem Mittwoch. Punktspiele unter der Woche sind eher selten und meist Nachholpartien. Die meisten Mittwochsspiele waren bislang Pokalbegegnungen. Da es den Verbandspokal auf Landesebene nicht mehr gibt, ist ihre Zahl im vergangenen Jahrzehnt allerdings deutlich zurückgegangen. Das bislang letzte Mittwochsheimspiel liegt schon einige Jahre zurück: Am 1. Mai 2013 empfing der TV Oppenweiler in der Gemeindehalle Oppenweiler die HSG Langenau/Elchingen zum Endspiel um die württembergische Meisterschaft. Die Gastgeber setzten sich mit 31:29 durch. Die Statistik umfasst alle Begegnungen seit 1980, als der TV Oppenweiler, Stammverein des heutigen HCOB, den Spielbetrieb auf Bezirksebene verließ.
In der vergangenen Saison war HCOB-Rückraumspieler Valentin Abt vom Verletzungspech verfolgt. Nun möchte er beim TSV Heiningen in der Regionalliga Baden-Württemberg neu durchstarten. Am vergangenen Wochenende feierte er sein Comeback. Beim 30:27 der Staren gegen den VfL Waiblingen erzielte er drei Tore.
