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Europas begehrteste Handballer in der MURRTAL-ARENA

| Männer 1

Premiere in der Backnanger MURRTAL-ARENA. Am Samstagabend um 18 Uhr tritt mit Sporting CP Lissabon erstmals ein Champions-League-Teilnehmer in der 2024 eröffneten Sportstätte zu einem internationalen Freundschaftsspiel gegen das Drittligateam des HCOB an. Der Club aus Portugal hat sich in den vergangenen Jahren in der europäischen Spitze etabliert – und bringt mit den Costa-Brüdern die derzeit begehrtesten Handballer des Kontinents mit ins Murrtal.

Der portugiesische Handball erlebt einen bemerkenswerten Aufschwung. Das Nationalteam wurde bei der Weltmeisterschaft 2025 Vierter und setzte sich im Viertelfinale gegen Deutschland durch. Es war die beste Platzierung aller Zeiten für das Land von der iberischen Halbinsel. Auch auf Vereinsebene zählt Portugal inzwischen zur europäischen Spitze. Nur ein Tor fehlte dem in Lissabon ansässigen Sporting Clube de Portugal in der vergangenen Runde zum Einzug in das Final Four der Champions League.

HCOB-Coach Rui Silva stammt aus Portugal und ist damit ein Insider. Er kennt Gründe für den Aufschwung. „In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Trainerausbildung in Portugal deutlich weiterentwickelt und ist wesentlich anspruchsvoller geworden.“ Außerdem sei auffällig, „dass viele portugiesische Trainer über einen akademischen Hintergrund im Bereich Sportwissenschaft oder Sportpädagogik verfügen, was ihnen ein solides fachliches Fundament verleiht.“ Der Erfolg gibt diesem Weg recht.

Im Vereinshandball kommt ein weiterer Aspekt hinzu. In diesem Bereich haben „die drei größten portugiesischen Vereine massiv in ihre Profimannschaften investiert und zahlreiche internationale Spitzenspieler verpflichtet“, erläutert Rui Silva. Das habe das Niveau der Liga angehoben und für ein Umfeld gesorgt, „in dem sich auch die portugiesischen Spieler optimal weiterentwickeln konnten.“ Sporting CP ist neben dem FC Porto und dem Lokalrivalen SL Benfica einer dieser drei Vorreiter. Der Club ist in Europa längst nicht mehr nur für seine erfolgreiche Fußballsparte bekannt. Auch im Basketball, im Volleyball, in der Leichtathletik und im Schwimmen mischt der Verein vorne mit. Und im Handball ist der Hauptstadtclub mit drei aufeinanderfolgenden nationalen Titeln auf dem besten Weg, den FC Porto den Rang als Rekordmeister abzulaufen.

Im hochkarätig besetzten Aufgebot von Sporting CP ragen zwei Spieler heraus: die Costa-Brüder. Für Rui Silva gehören sie bereits heute zu den besten Nachwuchsspielern der Welt. Der 23-Jährige Martim war bei der Europameisterschaft 2024 gemeinsam mit dem Dänen Mathias Gidsel Torschützenkönig und wurde ins All-Star-Team gewählt. Bruder Francisco (21) wurde bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr als bester junger Spieler des Turniers ausgezeichnet und bei der EM in diesem Jahr ins All-Star-Team berufen. „Trotz ihres jungen Alters zeichnen sie sich durch außergewöhnliche Kreativität, Spielintelligenz und Abschlussstärke aus“, sagt Rui Silva.

Nach Informationen der Bild-Zeitung steht der Wechsel der Brüder zur SG Flensburg-Handewitt im Sommer 2027 kurz vor dem Abschluss. Eine Ablöse in Höhe von rund zwei Millionen Euro wird kolportiert, für den Handballsport ist das eine außergewöhnlich hohe Summe. Für die Flensburger kann sich das auszahlen, glaubt Rui Silva: „Ich bin überzeugt davon, dass die Costa-Brüder den europäischen Handball über viele Jahre prägen werden.“ Die kommende Saison ist für sie und für ihren Verein deshalb von besonderer Bedeutung, um sich gemeinsam den Traum von der Final-Four-Teilnahme in der Champions League zu erfüllen.

    

HCOB-Trainer Rui Silva hat früher selbst für Sporting CP gearbeitet. 2019 stieg er als Co-Trainer von Thierry Anti bei Sporting ein. Nach dessen Abschied war der heutige Coach des Teams aus dem Murrtal in der Saison 2020/21 Cheftrainer. Anschließend übernahm Ricardo Costa, der Vater der Costa-Brüder, und sitzt bis heute auf der Bank des portugiesischen Spitzenclubs. Rui Silva freut sich aufs Wiedersehen. Einige Mitarbeiter des Clubs kennt er noch, „außerdem habe ich während meiner Zeit bei Sporting mehrere Spieler aus dem aktuellen Kader trainiert. Deshalb freue ich mich sehr darauf, sie wiederzusehen.“

Für sein neuformiertes Team ist das internationale Freundschaftsspiel vier Wochen vor dem Start in die Drittligasaison eine sportliche Herausforderung, aus Sicht von Rui Silva aber vor allem „eine großartige Gelegenheit. Ein Spiel gegen eine europäische Spitzenmannschaft sorgt für Aufmerksamkeit und unterstreicht unseren Anspruch, uns kontinuierlich weiterzuentwickeln.“ Für die sportliche Entwicklung sei es wichtig, sich mit den Besten zu messen. Auch wenn die Trainingsbelastung derzeit hoch ist, sei die Partie ein wichtiger Gradmesser. Das Ergebnis steht dabei nicht im Vordergrund. „Viel wichtiger ist es, zu sehen, wo wir in der Entwicklung unseres Spielmodells aktuell stehen, welche Inhalte bereits gut funktionieren und in welchen Bereichen wir uns noch verbessern müssen.“

Rund ums Spiel

Lange Tradition: Über Jahrzehnte veranstaltete die TSG Backnang den Handball-Cup in der früheren Karl-Euerle-Halle – ein überregional anerkanntes Vorbereitungsturnier mit Bundesligamannschaften und internationalen Teilnehmern. Das Topspiel gegen Sporting CP Lissabon knüpft daran an und löst ein Versprechen der Handballer ein: sobald eine geeignete Halle zur Verfügung steht, soll es wieder ein sommerliches Handball-Highlight geben.

Hochkarätiges Vorspiel: Das Duell zwischen Sporting CP und dem HCOB ist deshalb auch nicht das einzige Match an diesem Tag. Auch der Nachwuchshandball kommt nicht zu kurz. Bereits um 16 Uhr misst sich die für die Oberliga qualifizierte B-Jugend des HCOB mit der SG BBM Bietigheim, die in der kommenden Runde in der Bundesliga antreten wird – der höchsten Spielklasse in diesem Jahrgang.

Tickets und Einlass: Eintrittskarten zum Preis von 10 Euro (ermäßigt 7 Euro, Kinder 4 Euro) gibt es online unter www.hcob.de/tickets sowie an der Tageskasse. Anders als bei Punktspielen gilt freie Platzwahl. In den Dauerkarten ist die Partie gegen Lissabon enthalten.

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