Die Fahrt in den hohen Norden stand unter keinem guten Stern. Und das nicht nur, weil die lange Zeit problemlose Anfahrt bei Hamburg plötzlich in stundenlangem Staustehen mündete. Auch die Personalsituation war bescheiden. Bei Rückraum-Ass Malte Dederding hatten die Untersuchungen nach dem Spiel gegen die SG BBM Bietigheim eine Verletzung diagnostiziert, die für ihn gleichbedeutend mit dem Saisonende war. Unter der Woche musste auch Linksaußen Cedric Mayer abwinken.
Damit stand der HCOB auf vielen Positionen nur noch mit einem Akteur da. Torwartroutinier Marcel Wolf und der A-Jugendliche Frieder Hail machten die Reise nach Schleswig-Holstein mit, sodass Trainer Rui Silva wenigstens ein Aufgebot von zwölf Personen zur Verfügung hatte. Dieses dezimierte sich aber gleich zu Beginn weiter. Rückraumspieler Niklas Diebel musste mit Rückenbeschwerden raus und konnte nicht weiterspielen. Nun war Kreisläufer Lukas Rauh im Rückraum gefordert, gemeinsam mit Nick Fröhlich und Timm Buck.
Die Gastgeber nahmen darauf wenig Rücksicht und legten einen Blitzstart hin. Vor allem Mark Ferjan spielte überragend. Der Torwart, der im April zum Spieler des Monats in der Liga gewählt worden war, entschärfte in der ersten Halbzeit zwölf Würfe. Damit sorgte er dafür, dass die HCOB-Handballer nur sechs Tore erzielten. Er wehrte nacheinander auch Siebenmeter von Felix Klingler, Timm Buck und Nick Fröhlich ab. Seine Quote: 67 Prozent.
Die VfL-Handballer waren im Angriff dynamischer unterwegs und konnten gut wechseln. So setzten sich die Hausherren schnell ab: Nach acht Minuten stand es 8:1. HCOB-Coach Rui Silva musste bereits in einer frühen Phase der Partie zwei Auszeiten nehmen. Trotzdem stand zur Pause ein ernüchternder 6:19-Rückstand.
Für die HCOB-Handballer sprach, dass sie sich im zweiten Durchgang im Angriff steigerten. Da hatte der überragende Mark Ferjan seinen Platz zugunsten von Nils Conrad geräumt, der mit 43 Prozent gehaltenen Würfen ebenfalls stark spielte. Rund 20 Minuten lang blieb der Abstand ziemlich konstant, weil die Gäste ihre Chancen nun nutzten.
Auch der VfL Lübeck-Schwartau drückte nicht mehr mit aller Vehemenz aufs Tempo. Einzig das Einsteigen von Einar Nickelsen war übermotiviert. Der Fünfte der Torschützenliste riss Timm Buck, der in diesem Ranking auf Platz vier geführt wird, zu Boden und sah folgerichtig die Rote Karte. Die gute Nachricht für den HCOB: Timm Buck konnte nach einer Pause wieder aufs Feld zurückkehren.
Zum Ende hin legten die Gastgeber noch einmal nach, sodass es am Ende 19 Tore Unterschied waren. Aus Sicht des HCOB war es trotz der schwierigen personellen Situation eine deutliche Niederlage. Dem Schlusslicht bleibt derzeit nur, das Beste aus der Situation zu machen.
Für die beiden Zweitliga-Debütanten des HC Oppenweiler/Backnang gab es kleine persönliche Höhepunkte: Torwart Marcel Wolf sammelte drei Paraden und Frieder Hail erzielte zwei Treffer.



