Schlussendlich machte die Zahl von 38 Gegentoren deutlich, warum es dem HCOB nicht gelang, gegen den im Sommer aus der ersten Liga abgestiegenen Verein aus Brandenburg zu punkten. Trainer Volker Blumenschein ärgerte sich über die defensiven Aussetzer seiner Mannschaft: „Wir haben von der ersten Minute an zu viele Eins-gegen-Eins-Duelle im Zentrum verloren, bei denen keine Hilfe kam und dann der direkte Durchbruch erfolgte.“ Die Absprachen stimmten nicht und phasenweise kämpfte jeder für sich isoliert.
Für die individuell starken Gästespieler war das eine angenehme Situation. Sie kamen immer wieder aus der Nahwurfzone zum Torerfolg. Zudem hatten die Außenspieler Tim Hildenbrand und Nils Fuhrmann viele gute Wurfsituationen. Die HCOB-Torhüter Janis Boieck und Dave Hörnig waren bei den freien Würfen meist chancenlos, wenngleich Letzterer eine sehr gute Phase hatte, in der auch die Mannschaft des HCOB wieder Hoffnung schöpfen konnte.
Allerdings brachten die Potsdamer im Angriff schnell wieder ihre beachtliche Qualität aufs Spielfeld, um sich die nötigen Freiräume in Form eines ausreichenden Vorsprungs zu verschaffen. Dieser ermöglichte es ihnen schließlich, die Punkte ohne Zittern mit auf die weite Heimfahrt zu nehmen. Bemerkenswert fand Coach Emir Kurtagic dabei, dass plötzlich Spieler Akzente setzten, die „bislang etwas kleinere Rollen hatten“. Konkret dachte er dabei an Marvin Kix, der rund um die 40. Minute entscheidende Tore erzielte und damit wesentlich dazu beitrug, den Lauf des HC Oppenweiler/Backnang wieder auszubremsen.
Denn obwohl die Gastgeber fast durchgehend hinten lagen – mit Ausnahme eines zwischenzeitlichen 7:6 in der zwölften Minute – waren sie nie ganz aus dem Rennen. Am realistischsten war die Chance auf die Wende in den Minuten nach der Pause. „Beim Stand von 20:21 hatten wir das Momentum auf unserer Seite“, fand Volker Blumenschein. In den Minuten zuvor hatte der HCOB den Potsdamern einige Bälle abgeluchst, Tore durch Gegenstöße erzielt und auch die Halle mitgenommen. „Da hätten wir mit der einen oder anderen besseren Aktion sowohl in der Abwehr als auch im Angriff das Spiel vielleicht spannender machen können“, so Blumenschein, der den nachfolgenden Satz im Konjunktiv fortsetzte: „Dann wäre vielleicht auch die zweite Luft gekommen.“
Aus Sicht der Gastgeber war es auch ärgerlich, dass sie aus einer soliden ersten Halbzeit einen Drei-Tore-Rückstand mitnahmen. Bis zum 13:13 nach 24 Minuten lagen die Gastgeber gleichauf und hatten durchaus das eine oder andere Mal die Gelegenheit, erneut in Führung zu gehen. In diesen Minuten ließen sie zunächst einige gute Chancen aus und hatten anschließend eine Phase, in der sie nur wenige gute Chancen herausspielten. Das führte zu unvorbereiteten Würfen. Potsdam setzte sich ab und führte zur Pause mit 18:15. Da wäre aus Sicht des HCOB mehr drin gewesen.
Und so hatte der Konjunktiv weiterhin Hochkonjunktur, denn mit einer besseren Ausgangslage zur Pause hätte die starke Phase nach dem Seitenwechsel vielleicht nicht nur das Anschlusstor gebracht, sondern sogar eine Führung. Tatsächlich hieß es nach 40 Minuten aber 21:26, sodass der Weg zum überraschenden Erfolg wieder weit war. Angetrieben vom achtfachen Torschützen Malte Dederding kamen die Murrtaler fünfmal auf drei Tore heran. Es gab durchaus schon Partien, die nach einem solchen Verlauf in den Schlussminuten kippten. Doch alle zarten Pflänzchen der Hoffnung überlebten nicht lange, da schnell ein Fehler in der Abwehr folgte und die Potsdamer – so war es dann halt auch – ihre Sache gut machten. Potsdam-Coach Emir Kurtagic lobte sein Team: „Wir haben viele schwere Phasen überstanden.“
Aus HCOB-Sicht stand am Ende die elfte Saisonniederlage und – positive Worte vom Gästecoach hin und her – vor allem der Frust über die Abwehrdefizite. Volker Blumenschein brachte es auf den Punkt: „Wir hatten uns da schon auf einem guten Weg gesehen, aber unter Druck agieren wir aktuell zu isoliert. Da haben wir viel Arbeit vor uns.“
Stimmen zum Spiel
HCOB-Trainer Volker Blumenschein: „Wir haben immer wieder dran gerochen. Beim Stand von 20:21 hatten wir beispielsweise das Momentum auf unserer Seite. Da hätten wir mit der einen oder anderen besseren Aktion sowohl in der Abwehr als auch im Angriff das Spiel vielleicht spannender machen können. Dann wäre vielleicht auch die zweite Luft gekommen. Aber wir haben von der ersten Minute an zu viele Eins-gegen-Eins-Duelle im Zentrum verloren, bei denen keine Hilfe kommt und dann der direkte Durchbruch erfolgt. Wir hatten uns da schon auf einem guten Weg gesehen, aber unter Druck agieren wir aktuell zu isoliert. Da haben wir viel Arbeit vor uns.“
VfL-Trainer Emir Kurtagic: „Es war ein gutes und kämpferisches Spiel, und ich bin mit unserer Angriffsleistung sehr zufrieden. Allerdings werden beide Mannschaften mit ihrer Abwehr hadern. Es ist nie einfach, gegen einen Gegner zu spielen, der in der Tabelle schlecht dasteht, zumal die Art und Weise, wie der HC Oppenweiler/Backnang in den vergangenen Wochen gespielt hat, durch diese zwei Punkte nicht wiedergespiegelt wird. Wir haben viele schwere Phasen überstanden. Erfreulich ist, dass Spieler wie Marvin Kix in die Bresche gesprungen, die bislang etwas kleinere Rollen hatten.“
Rund ums Spiel
Für die HCOB-Handballer geht es bereits am kommenden Freitag mit dem Nachbarschaftsduell bei der SG BBM Bietigheim weiter. Anwurf in der EgeTrans Arena im Ellental ist um 19.30 Uhr. Die Bietigheimer gehen dabei als Tabellenführer in die Partie: sie gewannen im Schlagerspiel beim VfL Eintracht Hagen.




