Der HCOB wartet weiterhin auf den ersten Saisonsieg und steht mit nur zwei Punkten auf dem letzten Tabellenplatz. Der TuSEM hingegen feierte den ersten Auswärtssieg und machte einen wichtigen Schritt in Richtung Ligaverbleib.
Die 1000 Zuschauer in der Backnanger MURRTAL-ARENA sahen ein Spiel mit vielen Wellenbewegungen. Die Tiefs der Hausherren dauerten immer ein wenig länger als die guten Phasen – und daraus resultierten am Ende die drei Tore Unterschied.
Wäre mehr möglich gewesen? Vermutlich ja. Aber nur, wenn es den HCOB-Handballern gelungen wäre, ihre Verunsicherung abzulegen. Übers ganze Spiel hinweg leisteten sich die Gastgeber zu viele Fehler, die auch Kopfsache zu sein schienen. Und nicht selten traten diese Defizite ausgerechnet in den Spielphasen verstärkt auf, in denen die Gastgeber Druck zu machen schienen. Deshalb taten sie auch besonders weh.
Konkret ging das Spiel in zwei entscheidenden Phasen an die Gäste.
Die erste davon folgte auf die 20. Minute und dauerte rund 15 Minuten, also relativ lang, im Nachhinein betrachtet vermutlich zu lang. Dabei hatte der HCOB bis dahin einiges gut gemacht. Die Gastgeber steckten einen schwachen Auftakt mit zwei technischen Fehlern und zwei Fehlwürfen in den ersten vier Angriffen gut weg und verwandelten einen 0:2-Rückstand in eine 8:5-Führung. Kurz darauf betrug der Vorsprung beim Stand von 10:7 nochmals drei Tore. Die Abwehr stand gut, Torwart Janis Boieck sammelte einige Paraden und Malte Dederding setzte mit Würfen aus der zweiten Reihe Akzente. Das sah hoffnungsvoll aus. Coach Rui Silva fand, dass der Matchplan bis dahin aufgegangen war. Dann ging es rapide abwärts. „Wir haben viele individuelle Fehler gemacht und oft falsche Entscheidungen getroffen“, bemängelte Rui Silva. Er fand auch, dass seinen Spielern anzumerken war, dass sie Angst davor hatten, Fehler zu machen. Gerade das führte eher noch zu mehr Missgeschicken. Im Angriff reichte es in den letzten zehn Minuten vor der Pause nur noch zu einem Treffer. Essen hingegen traf fünfmal und lag beim Seitenwechsel mit 15:12 vorne. Der TuSEM brannte kein Feuerwerk ab. Aber das Team aus Nordrhein-Westfalen gewann in der Abwehr die meisten Zweikämpfe und nutzte vorne seine Chancen besser.
Und das Problem aus HCOB-Sicht war: diese erste Phase, in der die Partie verloren ging, war mit dem Pausenpfiff noch nicht zu Ende. Zu Beginn des zweiten Spielabschnitts fingen sich die Gastgeber eher einfache Gegentore, und innerhalb kurzer Zeit war der Rückstand auf 13:19 angewachsen. Eine große Hypothek.
Für die Hausherren sprach, dass sie sich noch einmal fingen und ins Spiel zurückfanden. Dabei zeigte sich schnell, dass auch beim TuSEM die Nerven flatterten. Der frühere Europapokalsieger ließ gute Torchancen aus und scheiterte immer wieder an HCOB-Keeper Janis Boieck. Dessen Vorderleute machten etwas aus dieser Vorarbeit. Vor allem Außenspieler Martin Schmiedt, der im zweiten Durchganz fünfmal erfolgreich war, setzte wertvolle Akzente. Der HCOB kämpfte sich auf 21:22 heran, nur noch ein Tor, und noch waren 13 Minuten auf der Uhr.
Aber die kurzzeitig aufkommende Euphorie bekam gleich wieder einen Dämpfer versetzt. Denn obwohl die Gastgeber immens am Drücker waren, den Ausgleich schafften sie nicht – und dies, obwohl sich mehrmals die Gelegenheit dazu bot. Und das war die zweite Phase, in der die Partie verloren ging. Es folgten hintereinander: zwei technische Fehler, eine als unglücklich zu bezeichnende Zeitstrafe gegen Nick Fröhlich und direkt danach auch noch eine Hinausstellung gegen Malte Dederding. Er traf Gästekeeper Finn Knack am Kopf, als schon abgepfiffen war. Das war keine Absicht, es ging für den Torwart auch gleich weiter, aber irgendwie war es symptomatisch für dieses Spiel. Auf ein kurzes Hoch folgte umgehend ein Tief, und obwohl die Gastgeber angesichts ihrer Aufholjagd eigentlich mutig hätten sein können, verließ sie die Zuversicht nach dem ersten Rückschlag umgehend wieder.
Essen nutzte die doppelte Überzahl, um sich wieder Luft zu verschaffen. Und die Gastgeber rannten dem Drei-Tore-Rückstand, den sie sich wieder einfingen, bis zum Ende erfolglos hinterher. Sie versuchten es in den Schlussminuten noch mit einer besonders auf Ballgewinn ausgelegten Deckung. Das brachte gelegentlich Ertrag, führte aber auch zu Lücken. Der TuSEM schaukelte es nach Hause. Und Nils Homscheid, lange verletzter Topspieler des Traditionsvereins und in der MURRTAL-ARENA erstmals wieder im Einsatz, machte mit einem Siebenmeter den Deckel drauf. Essen jubelte, die Gastgeber waren frustriert: Die Angst, Fehler zu machen, hatte sie zu sehr gelähmt.
Stimmen zum Spiel
HCOB-Trainer Rui Silva: „Die ersten 15 bis 20 Minuten waren wirklich okay, wir haben uns an den Matchplan gehalten und die Abwehr hat funktioniert. Dann hatten wir viele individuelle Fehler, wir haben oft falsche Entscheidungen getroffen. Manchmal hatten die Spieler auch Angst davor, Fehler zu machen. In der zweiten Halbzeit hatten wir noch einmal viele Chancen, um das Spiel auszugleichen, leider konnten wir sie nicht nutzen.“
Rund ums Spiel
Für den HCOB steht nun eine englische Woche mit zwei Auswärtsspielen auf dem Programm. Am kommenden Mittwoch (19 Uhr) tritt die Mannschaft beim TuS Ferndorf an, am Sonntag darauf (17 Uhr) geht es zur HSG Krefeld Niederrhein.








