Es sind Spiele gegen Teams, die ebenfalls im Tabellenkeller stehen. Die Ferndorfer haben mit 13 Pluspunkten allerdings eine gute Ausgangslage und die Krefelder schöpften durch den überraschenden Heimsieg gegen den TV 05/07 Hüttenberg neue Hoffnung. Den Akteuren des HCOB macht der Blick auf das Ranking weniger Freude. Seit Freitag ist der Abstand zu den Nichtabstiegsrängen nochmals angewachsen. Der Tabellen-16. TuSEM Essen setzte sich im Vier-Punkte-Spiel in der Backnanger MURRTAL-ARENA durch und baute seinen Vorsprung auf das Schlusslicht auf zehn Zähler aus. Damit nicht genug: Zu Beginn der neuen Woche kamen für den TuSEM am grünen Tisch zwei weitere Punkte hinzu. Der Traditionsverein erhielt die Punkte aus dem gegen den TV 05/07 Hüttenberg verlorenen Spiel, da die Mittelhessen einen nicht teilnahmeberechtigten Spieler eingesetzt hatten.
Den HCOB-Handballern tat nach dem Duell mit den Essenern weh, dass es während des gesamten Spiels Phasen gab, in denen die Gastgeber gleichstark spielten oder sogar Vorteile hatten. Sie verstanden es jedoch nicht, in dem Maße Kapital aus diesen Spielabschnitten zu schlagen, wie es die Konkurrenz kann. Hinzu kam phasenweise die Angst, Fehler zu machen, was zu weiterer Verunsicherung führte. Trainer Rui Silva bilanzierte nach dem Spiel: „Wir haben viele individuelle Fehler gemacht und falsche Entscheidungen getroffen.“ Eine Mannschaft, die mit dem Rückenwind positiver Ergebnisse in die Begegnungen geht, macht solche Fehler weniger oft und steckt sie mental leichter weg.
Nun wartet mit der englischen Woche eine intensive Herausforderung auf die HCOB-Handballer, die vermutlich gut beraten sind, von Spiel zu Spiel zu schauen. In Ferndorf tritt der Zweitliga-Aufsteiger gegen einen Gegner an, gegen den er sich in den vergangenen Jahren mehrmals duellierte, unter anderem in den Aufstiegsspielen im Frühjahr 2024, als sich die Ferndorfer durchsetzen konnten. Anschließend gelang ihnen etwas, an dem viele Aufsteiger aus der Dritten Liga scheitern: Sie schafften den Ligaverbleib in der Klasse, in der sie bereits von 2018 bis 2022 vertreten waren. Vielleicht war diese Erfahrung auch ein entscheidender Faktor, um sich auf Anhieb erneut etablieren zu können.
In der aktuellen Saison lief es für den TuS zunächst nicht so rund wie im vergangenen Jahr, jetzt geht die Formkurve nach oben. In der Rückrunde ist die Mannschaft von Coach Keven Clatt noch ungeschlagen. Sie gewann bei der HSG Krefeld Niederrhein und setzte sich im Heimspiel gegen den TSV Bayer Dormagen durch. Dabei bewies die Mannschaft Nervenstärke, da beide Begegnungen mit einem Tor Vorsprung endeten. Auch am vergangenen Freitag war der TuS Ferndorf an einem Krimi beteiligt. Im Derby beim VfL Eintracht Hagen stand nach 60 Minuten ein 32:32 auf der Anzeigentafel. Noch ist allerdings nicht sicher, ob es bei diesem Ergebnis bleibt: weil sich das Kampfgericht verzählt hat, strebt Hagen in einem Einspruchsverfahren ein Wiederholungsspiel an.
Für den HCOB geht es in Ferndorf darum, die Elemente im Spiel weiter zu optimieren, in denen unter der Anleitung des neuen Coaches Rui Silva Entwicklungen zu erkennen waren. Tatsächlich gelang es zuletzt über längere Phasen, die gegnerischen Angriffsreihen mit verschiedenen Varianten vor Aufgaben zu stellen. Auch das Rückzugsverhalten nach eigenen Ballverlusten war phasenweise gut, gerade die stark auf ihr Tempospiel bauende Essener Mannschaft kam kaum zu Gegenstößen. Aber es gebe natürlich weiterhin viele Details, an denen im Training zu arbeiten sei, sagt Trainer Rui Silva – auch wenn es in dieser Woche einen Spagat zwischen der Arbeit an grundsätzlichen Themen und der Vorbereitung auf die konkreten Matches zu absolvieren gilt. Große Herausforderungen gibt es ohnehin im Angriffsspiel. Es gelingt zu selten, gute Wurfmöglichkeiten zu erspielen, und das spiegelt sich dann in eher niedrigen Wurfquoten wider. Erfreulich war zuletzt die aufsteigende Formkurve bei Außenspieler Martin Schmiedt. Auch die Wurfquote der Kreisläufer war gegen Essen gut; allerdings gingen beim Versuch, diese in Szene zu setzen, sehr viele Bälle verloren.
Apropos Kreisläufer: Einer davon ist Lukas Süsser, der in der Vorrunde noch das Trikot des Rivalen aus Ferndorf trug. Am Mittwochabend kehrt er an seine ehemalige Wirkungsstätte zurück. Sein Engagement bei den Südwestfalen begann zu Saisonbeginn und war darauf ausgelegt, die verletzungsbedingte Auszeit von Philipp Würz zu überbrücken. Im Hinspiel siegte Lukas Süsser mit den Ferndorfer Handballern nach einem dramatischen Spielverlauf knapp in der Backnanger Murrtal-Arena. Nun ist er im gleichen Match wieder für das Auswärtsteam am Ball.
Rund ums Spiel
Die Begegnung in der Sporthalle Stählerwiese, die rund 1400 Zuschauer fasst und vermutlich weitestgehend vollbesetzt sein wird, wird live auf dem Streamingportal DYN übertragen. Die Sendung beginnt um 18.45 Uhr.
