Am Ende war die Freude über den erfolgreichen Start groß, die Erleichterung aber auch. In der ersten Halbzeit hatten die Gastgeber konstant geführt, beim 10:5 sogar mit deutlichem Vorsprung. Im Angriff lief es zunächst richtig gut, vor allem aus dem Rückraum. Allerdings ließen die Gastgeber in den Minuten vor der Pause einige sehr gute Torgelegenheiten aus, deshalb ging es „nur“ mit einem 19:15 in die Pause. Angesichts der ausgelassenen Chancen waren es zwei, drei Tore Vorsprung zu wenig. Das wurde nach dem Seitenwechsel zu einem Problem.
Nach der Pause wollte zunächst nämlich wenig gelingen, und so wurde die Partie immer enger. Nach einer Dreiviertelstunde sahen sich die Hausherren beim 26:28 sogar mit einem kurzzeitigen Zwei-Tore-Rückstand konfrontiert. Mit einer starken Schlussphase holten sie sich dennoch die Punkte, und Coach Rui Silva brachte es auf den Punkt: „Es war der erste Schritt, und das ist wichtig.“
Das 27. Aufeinandertreffen beider Teams bot vieles von dem, was ein Auftaktspiel ausmacht. Es war geprägt von Nervosität, von Höhen und Tiefen sowie von Abläufen, die noch nicht im erforderlichen Maß sitzen. Gerade in der Abwehr passte es gegen die junge Balinger Mannschaft nicht wie erhofft. Manchmal waren die Lücken zu groß, dann gingen Zweikämpfe zu einfach verloren. Außerdem verursachten die Gastgeber fünf Zeitstrafen. All das wusste vor allem der agile Rückraumspieler David Selinka zu nutzen. Ihm gelangen zwölf Treffer, und damit hatte er maßgeblichen Anteil am starken Spiel des Gästeteams.
HBW-Coach Micha Thiemann war jedenfalls stolz auf den Auftritt seines Teams, zumal es im Laufe der Partie Rückschläge hatte hinnehmen müssen. Zunächst sah Louis Mann nach einem Foul an HCOB-Zugang Christos Erifopoulos die rote Karte. Wenig später musste Emil Nyesö mit einem verletzten Finger vom Spielfeld. „Spieler, die für Kurzeinsätze vorgesehen waren, mussten durchspielen“, erklärte Coach Micha Thiemann.
Das taten sie mit Elan und Leidenschaft, und man habe auch gemerkt, „dass der HCOB in diesem Spiel den Druck hatte“. Der HBW II konnte befreiter aufspielen. Am Ende aber, fand Micha Thiemann, seien dem einen oder anderen die Kräfte ausgegangen. „Wir haben einfache Fehler gemacht, die uns den einen Punkt gekostet haben.“
Der HCOB konnte in diesen Minuten hingegen nachlegen. Kämpferisch überzeugte die Mannschaft ohnehin. Das wurde von den Zuschauern positiv aufgenommen, sie machten in der Schlussphase enormen Lärm. Der in der vergangenen Runde noch beim Gegner spielende David Soos ging auf dem Feld mit viel positiver Emotionalität voran. Er sorgte mit großem Einsatz für den immens wichtigen Ausgleich zum 28:28: nachdem er zunächst am gegnerischen Keeper gescheitert war, beförderte er den Ball mit einem Hechtsprung im zweiten Anlauf ins Netz. Kurz darauf eroberte er mit dem 30:29 auch die Führung für sein Team zurück. Auf der gegenüberliegenden Seite war Torwart Dennis Wipf in der Schlussphase mit mehreren Paraden zur Stelle. Auch das war wichtig, um den knappen Vorsprung über die Zeit zu bringen.
Eine entscheidende Rolle hatte auch Rückraumspieler Louis Mönch inne. Der Zugang aus Bregenz überzeugte in seinem ersten Meisterschaftsspiel für seinen neuen Club. Mit viel Dynamik und guten Bewegungen strahlte er viel Torgefahr aus und sorgte immer wieder für Jubel auf den Rängen der MURRTAL-ARENA. Sein 13. Treffer – allesamt aus dem Spiel heraus erzielt – zum 32:29 war vier Minuten vor dem Ende der letzte für die Gastgeber und damit der siegbringende. Der HBW kam zwar noch einmal auf einen Treffer heran. Dieses Anschlusstor fiel aber erst Sekunden vor dem Abpfiff und damit zu spät.
Stimmen zum Spiel
HCOB-Trainer Rui Silva: „Natürlich freue ich mich, dass wir die ersten Punkte geholt haben. Ganz zufrieden bin ich mit der Leistung aber nicht, vor allem mit der Abwehr. Der HBW hat heute sehr gut gespielt und war ein unangenehmer Gegner. Wir müssen aber auch cleverer sein. Trotz allem war es der erste Schritt, und das ist wichtig.“
HBW-Trainer Micha Thiemann: „Ich bin stolz darauf, wie meine Mannschaft gefightet hat. Wir mussten viele Rückschläge wegstecken. Spieler, die für Kurzeinsätze vorgesehen waren, mussten durchspielen. Nach rund 50 Minuten gingen die Kräfte aus, und wir haben einfache Fehler gemacht, die uns den einen Punkt gekostet haben.“
Rund ums Spiel
Bemerkenswertes Fair Play zeigten die HBW-Verantwortlichen Mitte der zweiten Halbzeit – in einer Phase, als die Begegnung beim Spielstand von 24:24 sehr eng war. Louis Mönch hatte ein Tor für die Gastgeber erzielt. Das sah auch der Schiedsrichter auf der Seite des Tores so, er hob den Arm. Als er anschließend die Lage des Balles betrachtete, war er sich jedoch nicht mehr sicher, ob dieser tatsächlich unten links im Netz gelandet war. Er zeigte nun Abwurf an. Das führte zu größeren Debatten. HBW-Co-Trainer Tobias Hotz beendete all das, indem er aufs Spielfeld lief, den Schiedsrichter über seinen Irrtum aufklärte und dieser – nun final – auf Tor entschied.
Für den HCOB stehen nun zwei Auswärtsspiele in der näheren Umgebung auf dem Programm: Am kommenden Samstag geht es zum TSB Horkheim, sieben Tage später zum SV Salamander Kornwestheim.




