Sporting Lissabon ist eine absolute Größe im europäischen Handball. In der vergangenen Saison verpassten die Portugiesen das Final Four in der Champions League nur um ein Tor. In der kommenden Spielzeit wollen sie unbedingt bei diesem Turnier der besten Teams Europas dabei sein, verriet Coach Ricardo Costa nach dem Match in der Backnanger MURRTAL-ARENA.
„Sie spielen seit fünf Jahren in einer weitestgehend unveränderten Formation zusammen“, erklärte HCOB-Coach Rui Silva, der einst selbst bei Sporting CP tätig war. „Das Level dieser Mannschaft ist unheimlich hoch. Sie verfügen über ein eingespieltes System sowie über viele Kombinationen und Routinen.“
Beim Freundschaftsspiel gegen den HCOB demonstrierten die Handballer von Sporting CP eindrucksvoll ihre Klasse. Sie agierten zielstrebig, konzentriert und engagiert. Obwohl Lissabon mit einem 19-Mann-Kader antrat, bekamen Topstars wie die Brüder Francisco und Martim Costa sowie der zu den besten Abwehrspielern der Welt zählende Salvador Salvador umfangreiche Spielzeiten.
„Bei solchen Spielern kann im Eins-gegen-eins alles herauskommen“, fand der neue HCOB-Keeper Dennis Wipf, „das ist eine echte Herausforderung. Das Resultat ist hart, aber es war eine tolle Erfahrung.“ Der Zugang vom VfL Eintracht Hagen hatte bei seinem Debüt für seinen neuen Club viel zu tun.
Ehe sich die Hausherren in ihrem ersten Testspiel im Hinblick auf die neue Saison versahen, lagen sie mit 1:8 hinten. Dann fanden die HCOB-Handballer besser ins Spiel und setzten selbst Akzente. „Wir sind als Mannschaft aufgetreten, haben Vollgas gegeben und dazu beigetragen, den Zuschauern heute ein Spektakel zu bieten.“ Das Endresultat von 25:48 wurde diesem Aspekt gerecht: Für Sporting CP war es ein standesgemäßer Sieg bei einem deutschen Drittligisten, für diesen aber trotzdem ein respektabler Auftritt mit eigenen Glanzlichtern.
Dennis Wipf trug zum hohen Unterhaltungswert der Partie bei, indem er den Topstars aus Portugal den einen oder andern Ball abkaufte. Das fand auch bei Trainer Rui Silva Anklang. Er freut sich über die Besetzung im Tor, auch mit Blick auf den in Durchgang zwei zwischen den Pfosten stehenden Dave Hörnig: „Wir werden in der kommenden Saison ein richtig gutes Duo haben.“
Einen hervorragenden Einstand im HCOB-Team feierte Rückraumspieler David Soos. Der großgewachsene Handballer suchte gegen die körperlich starken Abwehrspieler von Sporting CP mutig den Abschluss und avancierte mit acht Torerfolgen zum besten Werfer der Begegnung. Entsprechend zufrieden war er nach dem Spiel. „Es war eine gute Kulisse und eine große Ehre, gegen so einen Topverein zu spielen. Für mich als Neuen war es wichtig, sich gegenüber der Mannschaft, dem Trainer und den Fans gut zu zeigen.“ Und das gelang ihm auf Anhieb. So blickte er positiv auf die anstrengenden ersten Vorbereitungswochen zurück: „Körperlich bin ich jetzt ein bisschen müde, aber das wichtige ist: wir wachsen als Team zusammen.“
Trainer Rui Silva entdeckte im Spiel seiner Mannschaft, dass „manches schon fast so funktioniert hat, wie wir uns das vorgenommen haben.“ Einiges brauche aber auch noch Zeit. Das sei in der Vorbereitung auf eine neue Runde auch normal. „Wichtig ist, dass wir aus diesem Spiel viele Erkenntnisse gewonnen haben, die uns in den kommenden Wochen helfen werden.“
Sorgen bereitet ihm, dass Rückraumspieler Sacha Koltes früh verletzt vom Feld musste. Auch Außenspieler Paul Krügele musste im Laufe der Partie nach einem unglücklichen Zusammenprall mit Louis Mönch angeschlagen vom Feld. Nicht optimal, zumal mit Nick Fröhlich und Ruben Sousa zwei weitere Spieler erst gar nicht hatten mitspielen können.
Das neuerliche Verletzungspech trübte die gute Laune des Coaches in anderer Hinsicht aber nicht. Das Spiel sei „für uns als Verein ein perfektes Event gewesen“, betonte der Coach. Es sei keine Selbstverständlichkeit, gegen einen so starken Gegner spielen zu dürfen. „Es war sportlich ein guter Test und für unsere Fans eine gute Show.“ Von den Verantwortlichen von Sporting CP habe er nur gute Worte gehört: „Sie waren von der Organisation beeindruckt.“ Rui Silva nutzte es, um den Ehrenamtlichen zu danken, die mitten in den Sommerferien ein solches Event auf die Beine gestellt hatten.
Die Handballer von Sporting CP präsentierten sich nicht nur auf dem Spielfeld stark. Noch Minuten nach der Schlusssirene bildete sich eine lange Schlange vor den Spielern von Sporting. Kinder hielten Trikots und Bälle hin, Eltern zückten ihre Smartphones, die Profis nahmen sich geduldig Zeit. Sie zeigten sich publikumsnah und bodenständig – im Murrtal werden in der kommenden Saison sicher einige Handballfans den Portugiesen die Daumen in der Champions League drücken.
Rund ums Spiel
Die B-Jugendhandballer des HCOB trafen im Vorspiel auf die SG BBM Bietigheim, die in der Jugendbundesliga spielt, und standen kurz vor einer großen Überraschung. Vor rund 200 Zuschauern hielt die Mannschaft über 60 Minuten stark dagegen und unterlag nur denkbar knapp mit 38:39. Dieser Auftritt macht Mut für die kommende Oberliga-Runde.
In den vergangenen Wochen und Monaten hat kaum eine Frage die Handballwelt mehr beschäftigt als die, ob die Brüder Francisco und Martim Costa von Sporting CP Lissabon zur SG Flensburg-Handewitt wechseln werden. Der Wechsel schien so gut wie sicher, vielleicht war der Vertrag sogar schon unterschrieben – oder war doch alles nur Bluff? All diese Thesen standen im Raum. Was es nicht gab, war ein öffentliches Statement, weder von den beteiligten Spielern noch von den Clubs. Bis Samstagabend. Bis der Blogger Niklas Braiger dem portugiesischen Weltstar in der Backnanger MURRTAL-ARENA die recht unverfängliche Frage stellte: „Willkommen in Deutschland, wie gefällt es dir im Süden?” Der Handballer lächelte kurz, schnappte sich das Mikrofon und philosophierte kurz über die Hoffnung, mit seinem Club in der kommenden Runde in der Champions League ganz vorne mitzumischen. Dann ließ er kurzerhand die Katze aus dem Sack. „Es wird mein letztes Jahr bei Sporting. Ich will die Spiele genießen und nächstes Jahr werde ich in Flensburg spielen.“ Dass Francisco Costa die Frage speziell nach dem Süden ausließ, sei's drum. Im Norden ist es ja auch schön. Viel wichtiger war, dass der Millionen-Deal in Backnang, in der MURRTAL-ARENA, vermeldet wurde. Ausgerechnet in Backnangs neuem Sporttempel wurde der Wahnsinnstransfer final bekannt. Blogger Braiger hatte jedenfalls seine Schlagzeile. Er legte eine Nachtschicht ein und ging kurz nach Mitternacht mit der heißesten Handballnachricht der Woche online. Für diesen journalistischen Coup sammelte er fleißig Klicks. Und die SG Flensburg-Handewitt? Die zog am Sonntag nach und vermeldete in diesem Zusammenhang auch gleich den Transfer von Kikos Bruder Martim.






