Die Hüttenberger traten nahezu komplett an, einzig der frischgebackene U19-Weltmeister Leon Stahl stand nicht im Kader. Beim HCOB fehlten mit Dominik Weiß, Luis Plymford Foege und Valentin Abt drei Spieler aus dem Rückraum. Immerhin war der isländische Kreisläufer Työrvi Týr Gislason beim Zweitliga-Debüt des Clubs aus dem Rems-Murr-Kreis nach seiner Verletzungspause wieder dabei und kam auch prompt zum Einsatz.
Der HCOB startete im ersten Zweitligaspiel seiner Vereinsgeschichte mit Felix Klingler und Martin Schmiedt auf den Außenpositionen. Am Kreis begann Ruben Sousa, im Rückraum starteten Jan Forstbauer, Timm Buck und Nick Fröhlich. Das Tor hütete Janis Boieck. Die Gastgeber erwarteten den HCOB mit einer sehr offensiven Abwehr. Dagegen taten sich die Gäste in den ersten Minuten schwer. Hinzu kam, dass sie einige gute Gelegenheiten ausließen. Yamar Shamit, der Israeli im Tor der Mittelhessen, erwischte einen guten Saisonstart. Die Hüttenberger brannten vorne zunächst kein Feuerwerk ab, zogen aber regelmäßig Siebenmeter und setzten sich deshalb in der Anfangsphase auf 6:3 ab.
Der Aufsteiger bewahrte jedoch die Ruhe. Die Abwehr fand zunehmend besser ins Spiel. Sie vermied nun Zeitstrafen, nachdem sie in den ersten 20 Minuten gleich drei Hinausstellungen hatte hinnehmen müssen. Hinzu kam, dass Torwart Janis Boieck immer besser in die Partie fand. Er wehrte in der ersten Hälfte sieben von 16 Würfen ab, was einer Quote von 44 Prozent entsprach. Im Angriff fanden die Gäste bessere Lösungen. Zunächst erzielte Ruben Sousa zwei Tore vom Kreis, dann traf Nick Fröhlich aus dem Rückraum. Einige Male hatten die Gäste die Chance zum Ausgleich, ließen diese aber zunächst aus. Dann nahm Niklas Diebel, ein ehemaliger Jugendspieler des TV Hüttenberg, Maß und traf zum 8:8.
Damit nicht genug: Gestützt auf den starken Janis Boieck generierte der Aufsteiger weiter zahlreiche Ballgewinne. Sekunden vor der Pause schloss Jan Forstbauer einen schön herausgespielten Angriff mit dem 11:10 ab – die Führung zum richtigen Zeitpunkt. Unterm Strich war es eine starke erste Halbzeit des Novizen beim etablierten Zweitligisten.
Nach dem Seitenwechsel verteidigte der HCOB den knappen Vorsprung durch Tore von Timm Buck. Hüttenberg agierte im Angriff nun jedoch mit mehr Entschlossenheit – die Pausenansprache von Coach Stefan Kneer hatte also gefruchtet. Die Gastgeber zwangen den HCOB in der Abwehr zu technischen Fehlern und wenn sich doch einmal eine gute Gelegenheit auftat, ließ die Konzentration beim Torwurf nach. Das lag zu einem gewissen Teil auch daran, dass viele Spieler fast durchgehend auf der Platte standen – zumal Kreisläufer Ruben Sousa zwischenzeitlich auch noch neben dem Spielfeld Platz nahm, da er sich am Fuß verletzt hatte. Bis zur 40. Minute fing sich der HCOB einen Drei-Tore-Rückstand ein. Coach Stephan Just nahm eine Auszeit.
Doch die Hüttenberger hatten weiterhin das Oberwasser. Sie behielten ihre offensive Abwehr bei und erstickten damit viele Angriffe des Aufsteigers im Keim. Martin Schmiedt setzte mit Kontertoren Nadelstiche, doch den Hausherren gelang gleiches, und sie bogen auf die Siegesstraße ab. Nach 50 Minuten lag der Verein, der sich selbst „das Original aus Mittelhessen“ nennt, nach einem Gegenstoßtor von Tim Rüdiger mit 23:17 vorne. Die Gastgeber spielten nun ihre breitere Personaldecke aus. Für Hüttenberg trafen im zweiten Spielabschnitt gleich elf verschiedene Feldspieler, beim HCOB waren es nur noch fünf. Einige Minuten vor dem Ende war das Saisonauftaktspiel entschieden.
Unterm Strich waren die Hüttenberger verdienter Sieg – ein bisschen zu deutlich war es am Ende aber. Der HCOB hatte eine Halbzeit lang beherzt aufgespielt und damit eine erste Duftmarke in der neuen Liga gesetzt. Das macht Mut. Im Umkehrschluss aber zeigte die zweite Halbzeit, wie schnell das Pendel dann auch in die andere Richtung umschlagen kann.
Stimmen zum Spiel
HCOB-Trainer Stephan Just: „Nach der zweiten Halbzeit war es ein verdienter Sieg für Hüttenberg. Wir aber haben in der ersten Halbzeit gezeigt, dass wir Paroli bieten können. Da haben wir sehr engagiert gearbeitet. Mit einem Tor in Führung zu liegen, war eine starke Leistung. Es war klar, dass Hüttenberg in der zweiten Halbzeit dann galliger agiert. Sie haben uns vorne und hinten vor große Aufgaben gestellt, und dann hat auch die Kraft nachgelassen. Der Wille war auf jeden Fall da, und den müssen wir auch in den nächsten Spielen zeigen.“
TVH-Trainer Stefan Kneer: „Wir wollten es in der ersten Halbzeit vielleicht etwas zu gut machen. Da haben wir oft zu nah an der Abwehr agiert. Wir konnten uns zum Glück auf unsere Abwehr und auf unseren Torwart verlassen und sind dadurch so halbwegs ins Spiel gekommen. In der zweiten Halbzeit hatte ich den Vorteil, dass ich alle zehn Minuten wechseln konnte, ohne dass es einen Qualitätsverlust gab, so konnten wir den Gegner müde spielen.“
Rund ums Spiel
Für den HCOB geht es am kommenden Wochenende – aber erst am Montag – mit einem Heimspiel weiter. Dann wird der HSC 2000 Coburg zu Gast in der MURRTAL-ARENA sein.